Die Geschichte Venedigs: Dogen, Gondeln und goldene Kuppeln
Diese Folge erscheint am Samstag, 17. Oktober um 19:00 Uhr US-Ostküstenzeit auf YouTube. Abonniere den Kanal, dann wartet sie schon auf dich.
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Diese Folge erzählt die lange Geschichte Venedigs, von den Sandbänken und Salzwiesen seiner Lagune bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie beginnt mit dem römischen Altinum, den Flüchtlingen und Cassiodors Brief von etwa 537–538 und besucht dann Torcello, wo eine Inschrift von einer 639 gegründeten Kirche berichtet. Sie folgt den ersten Dogen, dem Umzug zum Rialto um 810, der Legende vom Leib des heiligen Markus und dem Treffen von Papst Alexander III. und Friedrich Barbarossa im Jahr 1177. Später kommen Enrico Dandolo, Marco Polo, das Arsenal, die Gondeln, Muranoglas, Spitzen aus Burano, Tizian, Vivaldi und der Karneval, das Ende der Republik 1797, die Vereinigung mit Italien 1866 und der 1912 wiederaufgebaute Glockenturm. Es ist eine langsame, ruhig erzählte Geschichte zum Einschlafen von etwa 2 Stunden und 25 Minuten.
Schlaf wieder mit uns ein
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Auf YouTube abonnierenDie wichtigsten Fakten
- Die Lagune von Venedig entstand vor etwa 6.000 oder 7.000 Jahren, als das Meer nach der letzten Eiszeit stieg und sich über das niedrige Land ausbreitete.
- Eine lateinische Inschrift neben dem Hochaltar der Kathedrale von Torcello berichtet von der Gründung einer Kirche der heiligen Maria, Mutter Gottes, im Jahr 639.
- Um 810 zog der Regierungssitz auf die Inseln von Rialto, den Rivo Alto oder „das hohe Ufer“, mitten in der Lagune.
- Die Venezianer glaubten, dass um 828 zwei Kaufleute, Buono aus Malamocco und Rustico aus Torcello, den Leib des heiligen Markus aus Alexandria in Ägypten brachten.
- Der heutige Markusdom, der dritte Bau an dieser Stelle, wurde ab 1063 neu gebaut und 1094 geweiht, unter drei Dogen nacheinander.
- An einem Sonntag Ende Juli 1177 überquerte Kaiser Friedrich Barbarossa die Lagune in der eigenen Barke des Dogen, um Papst Alexander III. am Markusdom zu treffen.
- Im April 1204 nahmen die Kreuzfahrer, die mit dem alten, fast blinden Dogen Enrico Dandolo gesegelt waren, Konstantinopel ein, und viele Schätze der Stadt wurden in den Westen fortgebracht.
- Etwa im Mai 1275 kamen Marco Polo, sein Vater Nicolò und sein Onkel Maffeo zu Kublai Khan in dessen Sommerpalast Shangdu; Marco war damals etwa 21 Jahre alt.
- Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, der Überlieferung nach 1291, wurden die Glasöfen aus Angst vor Feuer von Venedig nach Murano verlegt.
- Zwischen 1588 und 1591 baute Antonio da Ponte die Rialtobrücke als einen einzigen Bogen aus Stein, mit einer Spannweite von etwa 32 Metern.
- Im September 1703 stellte die Pietà, ein venezianisches Haus für verwaiste und verlassene Mädchen, Antonio Vivaldi, den man den roten Priester nannte, als Meister der Violine ein.
- Am 12. Mai 1797 stimmte der Große Rat unter Lodovico Manin, dem 120. Dogen, mit großer Mehrheit der Anwesenden dafür, die Republik zu beenden.
- 1866, nachdem Österreich in einem Krieg gegen Preußen besiegt worden war, wurde Venedig abgetreten, und seine Bewohner stimmten fast einstimmig für die Vereinigung mit dem Königreich Italien.
- Am Markustag, dem 25. April 1912, wurde der neue Markusturm eingeweiht, wiederaufgebaut nach dem Einsturz des alten im Juli 1902.
Fragen, die diese Folge beantwortet
Warum wurde Venedig auf dem Wasser gebaut?
Venedig wuchs auf den Inseln seiner Lagune, weil die Menschen aus den Städten des Festlands dorthin flohen, um sich in Sicherheit zu bringen, wenn Eindringlinge kamen. Sie flohen vor den Markomannen und Quaden im Jahr 170, vor den Goten im Jahr 378 und vor Alarich im Jahr 400, doch die meisten kehrten danach nach Hause zurück. Eine alte Überlieferung setzt die erste große Flucht in die Zeit Attilas, ins Jahr 452. Als die Langobarden 568 in Italien einfielen, blieben die Flüchtlinge, und es entstand eine Kette von Inselorten, von denen einer Rialto hieß.
Wann wurde Venedig gegründet?
Nach der eigenen Überlieferung der Venezianer wurde Venedig am 25. März 421 gegründet, etwa um die Mittagszeit, als der erste Stein der Kirche San Giacomo di Rialto gelegt wurde, doch das ist eine Legende. Trotzdem wurde das Datum zum offiziellen Geburtstag der Stadt. In Wirklichkeit nahm die Stadt langsam Gestalt an: Nach dem Einfall der Langobarden 568 ließen sich die Flüchtlinge für immer nieder, der erste Doge wurde, so erzählt man, 697 gewählt, und um 810 zog der Regierungssitz auf die Inseln von Rialto.
Wie wurde Venedig auf Holzpfählen gebaut?
Die venezianischen Baumeister brachten den weichen Schlamm dazu, Stein zu tragen, indem sie Tausende angespitzter Holzpfähle dicht an dicht hinab zum festeren Ton darunter rammten. Zuerst gruben sie einen Graben, dann rammten sie Pfähle aus Eiche und Lärche aus den Wäldern des Festlands ein, legten über die Köpfe der Pfähle eine Plattform aus vierkantigen Eichenbalken in zwei Lagen und bauten auf dieser Plattform die Fundamente. Die feste Schicht, die sie zu erreichen hofften, ist ein harter Ton namens Caranto. Die Kirche Santa Maria della Salute soll auf etwa einer Million Pfählen stehen.
Woher bekam Venedig sein Süßwasser?
Venedig hatte keine Quellen, also fingen die Venezianer den Regen auf und filterten ihn durch Sand. Der Regen fiel auf die Dächer und die gepflasterten Plätze und lief durch Löcher in den Pflastersteinen in eine etwa 3,5 bis 5 Meter tiefe Grube, die mit Ton ausgekleidet und mit sauberem, gewaschenem Sand gefüllt war. Das Wasser sickerte langsam in einen Schacht aus Backstein in der Mitte und wurde mit Kupfereimern heraufgeholt. Die Vorsteher der einzelnen Viertel öffneten die öffentlichen Brunnen zweimal am Tag und verwahrten die Schlüssel.
Warum sind Gondeln schwarz?
Die Gondeln wurden durch die Luxusgesetze Venedigs schwarz, durch ein Gesetz des 16. Jahrhunderts, das meist auf 1562 datiert wird. Diese Gesetze schrieben vor, die Kabinen mit schlichter schwarzer Wolle zu verhängen, ohne Seide, ohne Fransen, ohne Schnitzwerk und ohne Vergoldung; nur ausländische Gesandte waren von diesen Regeln befreit. Vorher, auf alten Gemälden von etwa 1500, hatten die Gondeln offene Baldachine aus prächtigem, farbigem Stoff. Eine Gondel ist etwa 11 Meter lang und besteht aus rund 280 Teilen, geschnitten aus acht Holzarten.
Warum sind die Häuser auf Burano so bunt?
Der Überlieferung nach strichen die Fischer von Burano ihre Häuser in kräftigen, leuchtenden Farben an, damit sie ihr eigenes Haus vom Wasser aus erkennen konnten, selbst im Winternebel. Burano ist eine Fischerinsel etwa 7 Kilometer nordöstlich von Venedig, nahe Torcello, und entstand aus fünf kleinen Inseln. Bekannt ist sie auch für ihre Spitzen, wiederbelebt durch eine 1872 gegründete Spitzenschule, und für den Glockenturm von San Martino, etwa 53 Meter hoch, der sich deutlich zur Seite neigt.
Woher kommt das Wort Quarantäne?
Das Wort Quarantäne kommt vom venezianischen quarantina, einer Zeit von 40 Tagen. 1468 bestimmte die Republik Venedig eine Insel, das Lazzaretto Nuovo, nicht für die Kranken, sondern für Menschen, die der Pest unterwegs begegnet sein könnten: Reisende, die Besatzungen der Schiffe und die Waren, die sie mitführten. Dort lüfteten und reinigten Träger die Ladungen, und das Warten dauerte etwa 40 Tage. Das Wort lazzaretto, so heißt es, ging aus Nazareth hervor, dem Namen eines früheren Spitals auf einer Insel.
Kapitel
- 00:00 Venedig in der Abenddämmerung
- 06:19 Die Lagune
- 11:41 Wie die Nester der Wasservögel
- 17:07 Torcello
- 22:28 Die ersten Dogen
- 28:10 Der heilige Markus kommt nach Venedig
- 33:31 Eine Stadt auf Holzpfählen
- 38:59 Die Vermählung mit dem Meer
- 44:24 Die goldene Kirche
- 49:53 Der alte Doge und der Kreuzzug
- 55:34 Marco Polo
- 1:01:19 Das Arsenal
- 1:06:37 Der Große Rat
- 1:12:09 Der Dogenpalast
- 1:18:01 Der Rialto
- 1:23:44 Gondeln
- 1:29:09 Das Glas von Murano
- 1:34:54 Burano und die Spitzen
- 1:40:44 Zwei Kirchen des Dankes
- 1:46:31 Maler des Lichts
- 1:52:18 Vivaldi und die Mädchen der Pietà
- 1:57:49 Karneval
- 2:03:27 Der letzte Doge
- 2:08:52 Eine Brücke über die Lagune
- 2:14:20 Reisende in Venedig
- 2:19:57 Lichter über der Lagune
Quellen
- Cassiodorus, Variae XII.24 (tr. Hodgkin, 1886); Pliny, Natural History (tr. Bostock & Riley, 1855); Villehardouin (tr. Marzials, 1908); Marco Polo (tr. Yule, 1903); Dante, Inferno XXI (tr. Longfellow, 1867)
- H. F. Brown, Venice: An Historical Sketch (1893) and Life on the Lagoons (1884); T. Okey, The Story of Venice (1905); W. R. Thayer, A Short History of Venice (1905); P. Molmenti, Venice (tr. Brown, 1906–08); J. Ruskin, The Stones of Venice (1851–53)
- T. Coryat, Crudities (1611); J. Evelyn, Diary; Goethe, Italian Journey (tr. Morrison, 1849); C. de Brosses, Lettres (1739); Rousseau, Confessions; Casanova, Memoirs (tr. Machen, 1894); Byron, Childe Harold IV; Shakespeare, The Merchant of Venice
- W. D. Howells, Venetian Life (1866); H. James, Italian Hours (1909); Mrs Bury Palliser, A History of Lace (1902); Baedeker, Northern Italy (1913); Encyclopaedia Britannica (1911); New-York Tribune (1902, 1912)
- UNESCO; Procuratoria di San Marco; Fondazione Musei Civici di Venezia (Palazzo Ducale, Museo del Vetro, Museo del Merletto); Gallerie dell'Accademia; Scuola Grande di San Rocco; La Biennale di Venezia; Treccani
- Wikipedia (English and Italian)
Das Skript wurde für den Kanal recherchiert und geschrieben und Aussage für Aussage anhand dieser Quellen geprüft. Die Stimme des Erzählers ist KI-generiert (Sprachsynthese).
Bildnachweise
Fotos von Venedig, vom Autor bei Besuchen im Winter und im Sommer aufgenommen; kleine, weit entfernte Passanten sind weichgezeichnet. Gemälde, Drucke und Photochrome (ca. 1890–1900) aus Wikimedia Commons und der Library of Congress (USA), gemeinfrei. Alte Fotos und Drucke aus dem Rijksmuseum Amsterdam (gemeinfrei, CC0). Bilder aus Wikimedia Commons unter Creative-Commons-Lizenzen mit Namensnennung: Andreas Praefcke (CC BY 3.0); Francisco Anzola (CC BY 3.0); Gary Ullah (CC BY 2.0); Gennadii Saus i Segura (CC BY 4.0); Jean-Pol GRANDMONT (CC BY 4.0); Ludmiła Pilecka (CC BY 3.0); Richard Mortel (CC BY 2.0); Sailko (CC BY 3.0); Till Niermann (CC BY 3.0); Tony Hisgett (CC BY 2.0); Wolfgang Moroder (CC BY 3.0); trialsanderrors (CC BY 2.0). Einige Fotos von Pexels (Pexels-Lizenz). Stimme des Erzählers auf Deutsch: mit KI erzeugt von Chatterbox (MIT), mit einer Referenzstimme von Kokoro TTS (Apache-2.0). Musik: Originalkomposition von The Candlelit Historian.
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Hallo und herzlich willkommen. Heute verbringen wir einen langen, stillen Abend in Venedig, der Stadt, die im Wasser steht, in einer Lagune ganz oben an der Adria.
Unsere Geschichte heute ist lang. Sie beginnt, als es noch gar keine Stadt gab, zwischen Sandbänken und Salzwiesen, Schilf und Schlamm. Sie führt uns zu Fischern und Flüchtlingen, Bischöfen und Dogen, Kaufleuten und Schiffbauern, Glasmachern und Malern und Musikern. Und sie endet in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.
Du musst dir heute Abend nichts merken und nichts tun. Du kannst die Geschichte einfach vorbeiziehen lassen, so wie ein Boot auf langsamem Wasser treibt. Wenn du vor dem Ende einschläfst, ist das völlig in Ordnung. Dafür ist dieser Abend da.
Venedig ist auf mehr als hundert kleinen Inseln gebaut, mit etwa hundertfünfzig Kanälen dazwischen und rund vierhundert Brücken. Es liegt etwa vier Kilometer vom Festland entfernt und etwa zwei Kilometer vom offenen Meer. Mitten durch die Stadt windet sich der Canal Grande, wie ein großes S, und teilt sie in zwei Teile. An manchen Stellen plätschert das Wasser direkt an die Mauern der Häuser. An anderen führt ein schmaler Weg zwischen Kanal und Tür.
Hier gibt es keine Kutschen und keine Pferde auf den Straßen. Man geht zu Fuß, durch schmale Gassen und über die Brücken, oder man fährt mit dem Boot. Um das Jahr 1240 beschrieb ein Schriftsteller namens Boncompagno da Signa die Stadt mit Worten, die übersetzt etwa so lauten: Ihr Pflaster ist das Meer, ihr Dach ist der Himmel, und ihre Mauern sind die fließenden Wasser.
Ein unwahrscheinlicherer Ort für eine große Stadt ist kaum vorstellbar. Der Boden war weicher Schlamm, der Gebäude nur auf Holzpfählen tragen konnte. Es gab kein Ackerland und keine Weiden für das Vieh. Fisch aus der Lagune war die einzige Nahrung in der Nähe, und das einzige Süßwasser war der Regen, den man auffangen und speichern konnte. Und doch wuchs auf diesen flachen Schlammbänken langsam eine der schönsten Städte der Welt. Heute Abend sehen wir, wie ihre Baumeister den weichen Schlamm Stein tragen ließen, auf Tausenden dicht eingerammter Holzpfähle.
Etwa elf Jahrhunderte lang hatte Venedig einen Dogen an der Spitze. Seine Schiffe fuhren nach Konstantinopel und nach Alexandria, und seine Kaufleute brachten Waren zwischen Osten und Westen. Sein Reichtum floss in Paläste und Kirchen, in goldene Mosaike und farbigen Marmor und in große Feste auf dem Wasser.
Wenn es Abend wird, färbt sich das Wasser der Lagune von Blau zu Grau und dann zu Silber. Die Kuppeln und Türme stehen dunkel vor dem Himmel. Boote ziehen langsam durch die Kanäle, und der Klang der Ruder trägt weit über das Wasser.
Heute Abend begegnen wir unterwegs vielen Menschen. Familien vom Festland, die Schutz suchend auf die Inseln kamen und blieben. Den Dogen, den Herzögen von Venedig, jeder auf Lebenszeit gewählt. Zwei Kaufleuten, die, wie eine alte Geschichte erzählt, den Leib eines Heiligen heimbrachten. Einem alten, fast blinden Dogen, der mit einer großen Flotte in See stach. Einem jungen Venezianer, der bis an den Hof des Kublai Khan reiste und später in einem berühmten Buch von dessen Wundern erzählte.
Den Schiffbauern des Arsenals, den Glasmachern von Murano und den Spitzenmacherinnen von Burano. Malern des Lichts und der Farbe. Einem rothaarigen Priester, der Musik für die Mädchen eines Findelhauses schrieb. Maskierten Gestalten in den langen Zeiten des Karnevals. Dem letzten der Dogen. Und Reisenden und Dichtern aus ganz Europa, die kamen, um die Stadt auf dem Wasser zu sehen, und über das schrieben, was sie sahen.
Viele der Bilder, die du heute Abend siehst, sind alt. Manche sind Gemälde der Maler Venedigs selbst. Manche sind sanft kolorierte Fotografien, sogenannte Photochrome, entstanden um 1890 bis 1900. Andere sind alte Fotografien und Drucke aus einem großen Museum in Amsterdam. Und manche sind Fotos, die ich selbst gemacht habe, bei Besuchen in Venedig im Winter und im Sommer.
Also, mach es dir bequem. Lass deine Schultern locker werden, und lass deinen Atem langsamer werden. Irgendwo draußen auf dem Wasser läutet eine Glocke zum Abend. Und lass uns beginnen, vor sehr langer Zeit, als es noch gar keine Stadt gab, in einer weiten, flachen Lagune aus Wasser, Schlamm und Schilf.
Lange bevor hier eine Stadt stand, gab es nur Wasser, Sand und Schlamm. Viele Flüsse kommen von den Alpen herab in die weite Ebene des Veneto. Über lange Zeiträume trugen sie Kies und feinen Schlick aus den Bergen herab und bauten langsam die ganze flache Ebene auf. Das Land schiebt sich noch immer ins Meer vor, um etwa fünf Kilometer in tausend Jahren. Ravenna, Adria und Aquileia waren einst Häfen am Meer. Heute liegen sie im Landesinneren.
Eine Strömung zieht von Osten nach Westen um das obere Ende der Adria. Sie erfasste den Schlick der Flüsse und legte ihn in langen, flachen Sandbänken ab, parallel zur Küste. Diese Sandbänke heißen die Lidi. Hinter ihnen entstanden die Lagunen. Flüsse wie die Brenta, der Sile und der Piave trugen Schlick in das flache Meer. Und vor etwa sechs- oder siebentausend Jahren, als das Meer nach der letzten Eiszeit stieg, breitete sich das Wasser über das niedrige Land aus, und die Lagune von Venedig war geboren.
Die Lidi sind schmal, nie breiter als achthundert Meter. Hier und da wird die Sandlinie von einigen schmalen Öffnungen in den Sandbänken unterbrochen, den Porti. Durch sie strömt das Meer herein und wieder hinaus, zweimal am Tag. Wo sich die Gezeiten zweier Öffnungen in der Lagune treffen, baut sich unter Wasser langsam ein verborgener Schlammrücken auf.
Heute ist die Lagune die größte im Mittelmeer, etwa fünfhundertfünfzig Quadratkilometer groß. Doch sie ist sehr flach, im Durchschnitt nur wenig mehr als einen Meter tief. Das meiste ist Watt, seichtes Gezeitenwasser und Salzwiese.
Nahe dem Festland liegt die Laguna morta, die tote Lagune, wo man die Gezeiten kaum spürt. Ihre stillen Tümpel liegen zwischen kleinen Inseln aus Seegras, Tamarisken und Strandflieder, der im Sommer ein zartes Blau über sie breitet und im Herbst ein sattes Purpur. Weiter draußen liegt die Laguna viva, die lebendige Lagune, die bei jeder Flut überspült wird. Bei Hochwasser sieht sie aus wie ein großer See. Doch an vielen Stellen bedecken nur etwa acht Zentimeter Wasser die Untiefen.
Die Lagune hat ihre eigenen Wörter. Die Barene sind flache Inseln aus Salzwiese, die nur bei höheren Fluten überspült werden und auf denen Queller, Schlickgras und Strandflieder wachsen. Kleine Priele namens Ghebi winden sich durch sie hindurch. Und die Velme sind Schlickflächen, die bei Ebbe auftauchen.
Draußen auf den Schlammbänken waten die Fischer und sammeln Herzmuscheln, Krebse und Strandschnecken. 1884 beschrieb der Schriftsteller Horatio Brown sie als „einsame Gestalten, aufrecht oder gebückt, die sich vom Grau des Wassers oder vom Blau des Himmels abheben“. Die Hauptkanäle sind mit Gruppen von Holzpfählen markiert, die in den Schlamm gerammt sind.
Schon in römischer Zeit herrschte am Rand der Lagune reges Leben. Am Festlandsufer lag Altinum, eine Hafen- und Handelsstadt, die man in ihrer Blütezeit in der Größe mit Pompeji verglichen hat. Der Dichter Martial verglich die Villen an ihrem Ufer mit denen von Baiae bei Neapel. Eine Straße namens Via Annia führte an ihr vorbei, von Adria über Padua und am Lagunenufer bei Mestre entlang bis nach Aquileia.
Reisende fuhren oft per Schiff von Ravenna nach Altinum. Die Römer sprachen von den Sieben Meeren, der Kette von Lagunen und Kanälen entlang dieser Küste von Ravenna bis Altinum. Der antike Geograf Strabon schrieb über dieses Land: „Aller Handel wird mit Booten betrieben; und diese Boote werden mit flachem Boden gebaut, damit sie über die Untiefen fahren können.“
Im Jahr 2021 fanden Forscher mit Sonar auf dem Grund der Lagune die Reste einer römischen Straße und Bauten, die Anlegestellen ähneln. Seit römischer Zeit ist das Meer hier um bis zu fast zweieinhalb Meter gestiegen. Lange vor Venedig gab es, so scheint es, römische Siedlungen draußen in der Lagune selbst, verbunden mit Altinum am Ufer.
Schon in römischer Zeit lebten wahrscheinlich Menschen draußen auf den kleinen Inseln der Lagune. Es waren arme, aber zähe Fischer und Lotsen, die jeden Kanal und jede Untiefe kannten.
Wenn dem Festland Gefahr drohte, flohen Menschen aus den Städten hinaus über das Wasser, um sich ihnen anzuschließen. Sie kamen, als die Markomannen und die Quaden einfielen, im Jahr 170. Sie kamen wieder, als die Goten kamen, im Jahr 378, und als Alarich kam, im Jahr 400. Jedes Mal, wenn die Gefahr vorüber war, kehrten die meisten wieder nach Hause zurück und bauten ihre Häuser wieder auf.
Eine alte Überlieferung sagt, die erste große Flucht habe zur Zeit Attilas stattgefunden. Im Jahr 452 drangen Attilas Hunnen in den Nordosten Italiens ein, und die große Römerstadt Aquileia fiel. Altinum wurde zu Attilas Zeit geplündert und leerte sich in den folgenden Jahrhunderten langsam. Spätere Venezianer erinnerten sich daran als an die große Flucht in die Lagune.
Es waren nicht immer verängstigte Massen. Oft, so schrieb ein Historiker, zogen ganze Städte gemeinsam um, mit ihren Beamten und Handwerkern, ihren Werkzeugen, ihren heiligen Gefäßen und sogar den Steinen ihrer Kirchen.
Den Chronisten zufolge trafen sich die Inselbewohner 466 in Grado und wählten Tribunen, die die Angelegenheiten jeder Insel regeln sollten. Zum ersten Mal wählten die Menschen der Lagune ihre eigenen Amtsträger.
Um 537 oder 538 wurde diesen Inselbewohnern ein Brief geschrieben. Sein Verfasser war Cassiodor, ein hoher Beamter der Gotenkönige, die in Ravenna Hof hielten. Er richtete ihn an die Tribunen der Seebevölkerung und bat sie, Wein und Öl aus Istrien zur königlichen Residenz zu bringen. Doch er konnte es sich nicht verkneifen, ihre Heimat zu beschreiben, so wie er sie selbst gesehen hatte.
Wenn Stürme das Meer sperrten, schrieb er, konnten ihre Boote noch auf den Flüssen fahren, an Seilen gezogen, sodass sie von Weitem durch die Wiesen zu gleiten schienen. Die Flut, sagte er, legte das Antlitz der Felder bald frei, bald verbarg sie es. Und dann kam der Satz, für den sein Brief am bekanntesten ist: „Hier habt ihr nach Art der Wasservögel euer Heim errichtet.“ Er verglich ihre Häuser mit den Nestern von Wasservögeln und ihre verstreuten Behausungen mit den Kykladen, über die Wasserfläche verteilt.
Der Boden unter ihren Häusern, schrieb er, wurde von geflochtenen Weidenzweigen festgehalten, ineinander gedreht und verknotet, ein zerbrechlicher Wall gegen die Wellen. Die Menschen lebten von Fisch, Arme wie Reiche. „Eine Speise erquickt alle; die gleiche Art Wohnung beherbergt alle; niemand kann das Haus seines Nachbarn beneiden.“
Ihr ganzer Reichtum, sagte er, kam aus den Salinen. Statt den Pflug zu führen oder die Sichel zu schwingen, rollten sie ihre Walzen, und daraus kam ihre ganze Ernte. Und ihre Boote lagen an den Mauern ihrer Häuser vertäut.
Dann, im Jahr 568, fielen die Langobarden unter ihrem König Alboin in Italien ein. Diesmal blieben die Flüchtlinge. Wie ein Historiker es ausdrückte: Attila hatte das Werk begonnen, und Alboin vollendete es. Die Bischöfe zogen mit ihren Leuten nach Malamocco und nach Heraclea, nach Caorle und nach Grado. Und die Menschen von Altino gingen, wie wir hören werden, nach Torcello.
Nach und nach wuchs eine Kette von Inselorten heran, zwölf laut den alten Listen, von Grado bis Chioggia. Einer davon hieß Rialto.
Lange danach erzählten die Venezianer gern eine genauere Geschichte. Später sagten sie, ihre Stadt sei am fünfundzwanzigsten März 421 gegründet worden, etwa um die Mittagszeit, als der erste Stein der Kirche San Giacomo di Rialto gelegt wurde. Dieser Tag, so heißt es weiter, war ein Freitag, genau der Tag, an dem Adam erschaffen wurde. Es ist eine Legende. Doch das Datum wurde zum offiziellen Geburtstag der Stadt, und die Venezianer feierten ihn jahrhundertelang.
Etwa elf Kilometer nördlich von Venedig, über die Lagune hinweg, liegt die Insel Torcello. Heute ist sie ein stiller Ort aus Gras und Wasser und ein paar alten Gebäuden. Doch einst war sie ein belebtes Städtchen mit einigen Tausend Menschen. Niemand weiß, wie viele.
Die Venezianer erzählten eine Geschichte darüber, wie alles begann. Als die Langobarden die Stadt Altino auf dem Festland bedrohten, beteten und fasteten ihre Bewohner. Da sahen sie Tauben und andere Vögel aus ihren Nestern in den Stadtmauern fliegen, ihre Jungen in den Schnäbeln.
Nach drei Tagen Fasten sagte ihnen eine Stimme, sie sollten auf den Turm steigen und die Sterne betrachten. Ihr Bischof Paulus stieg hinauf und sah die Sterne am Himmel angeordnet wie Inseln in der Lagune. Also folgten die Menschen ihrem Bischof übers Wasser. Ihre neue Heimat nannten sie, so heißt es, Torcello, zur Erinnerung an die vielen Türme von Altino.
Torcello wurde zum Sitz des Bischofs von Altino. Neben dem Hochaltar der Kathedrale steht eine lateinische Inschrift. Sie berichtet von der Gründung einer Kirche der heiligen Maria, Mutter Gottes, im Jahr 639. Sie nennt den Exarchen Isaak, der von Ravenna aus im Namen des Kaisers herrschte, und Mauritius, den Heermeister der Provinz, der die Arbeiten überwachte. Sie ist eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der Lagune.
Die Kirche wurde im neunten Jahrhundert neu gebaut und noch einmal im Jahr 1008, unter einem Bischof, der Sohn eines Dogen war. Ihre Fenster haben massive Läden aus Stein, die sich an riesigen Steinringen drehen. John Ruskin schrieb 1853, sie wirke eher wie eine Zuflucht vor einem Alpensturm als wie die Kathedrale einer belebten Stadt.
In der Rundung der Apsis hält eine hoch aufragende Madonna ihr Kind vor einem Goldgrund, und unter ihr stehen die zwölf Apostel in einer Reihe. Ruskin schrieb, sie scheine zu weinen, selbst während sie die Hände zum Segen erhebt. An der großen Westwand ist ein Mosaik des Jüngsten Gerichts in langen Bändern übereinander angeordnet, mit der Kreuzigung ganz oben.
Entlang der Rundung der Apsis steigen die Sitze der Priester in Stufen an, in der Mitte, hoch über ihnen, der Marmorthron des Bischofs. Diese Anordnung sieht man in Italien selten. Ruskin stellte sich die ganze Kirche als Schiff vor, mit dem Bischof als Lotsen.
Neben der Kathedrale steht die kleine Kirche Santa Fosca. Außen ist sie achteckig, mit einem Säulengang um fünf ihrer Seiten, getragen von sechzehn Säulen. Ihre Erbauer wollten ihr eine Kuppel geben, doch die Kuppel wurde nie gebaut. Ihre Säulen sind aus reinem griechischem Marmor, und doch reichte ihr Dach, so fand Ruskin, nicht höher als ein Viehstall. Auf der Wiese daneben steht ein Steinsitz, den man Attilas Thron nennt, obwohl er wahrscheinlich den Magistraten der Stadt gehörte.
Langsam, über die Jahrhunderte, verblasste Torcello. Bis zum vierzehnten Jahrhundert waren die Sümpfe ringsum gewachsen. Die Boote erreichten die Insel immer schwerer, und das Fieber wurde schlimmer. Familien zogen fort, nach Murano, nach Burano und nach Rialto. Die Bischöfe blieben noch lange, bis ihr Sitz 1689 nach Murano verlegt wurde. Der kleine Platz der Stadt, so fand Ruskin, war zu einer Wiese geworden, kaum größer als ein englischer Hofplatz, mit Hecken aus Geißblatt und Heckenrosen.
Ruskin beschrieb, wie er gegen Abend den alten Glockenturm aus Backstein bestieg. Ringsum erstreckte sich ein graues, einsames Moor aus Salzmarsch, in der Farbe von Sackleinen. Von Osten kam das Brausen der Adria, im Süden lag die ruhige Lagune und dahinter die Türme Venedigs. Direkt unter ihm standen auf einer grünen Wiese allein die Kathedrale, Santa Fosca und zwei kleine Gebäude, kaum größer als Hütten. „Sie liegen da wie eine kleine Schar Schiffe, in Windstille auf einem fernen Meer.“
Mit den Inselorten wuchsen auch ihre Streitigkeiten. Jeder hatte alte Rivalitäten vom Festland mitgebracht. Mit der Zeit rief Christophorus, der Patriarch von Grado, die Menschen der Lagune zu einer großen Versammlung in Heraclea zusammen. Er sagte ihnen, ihr Streit mache sie schwach gegenüber ihren Feinden. Statt zwölf Tribunen, sagte er, sollten sie einen einzigen Anführer wählen, auf Lebenszeit.
Die Venezianer erinnerten sich an Paoluccio Anafesto als ihren ersten Dogen, gewählt, so erzählt man, im Jahr 697. Das Wort Doge kommt vom lateinischen dux, Anführer. Ein venezianischer Chronist, der um das Jahr 1000 schrieb, berichtete, das Volk habe beschlossen, es sei „künftig ehrenvoller, unter Herzögen zu stehen als unter Tribunen“.
Der Doge lebte in großem Prunk. Wenn er ausging, hielt man einen Prunkschirm über ihn, trug brennende Kerzen an seiner Seite, und Trompeten erklangen zwischen den Bannern. Er saß auf einem Stuhl aus Elfenbein, ein Zepter in der Hand. Er trug einen seidenen Mantel mit Goldfransen, rote Strümpfe und eine hohe, edelsteinbesetzte Mütze. Mit der Zeit änderte diese Mütze ihre Form und wurde zur gehörnten Kappe der späteren Dogen, dem Corno, getragen über einem kleinen Häubchen aus feinem Leinen.
Doch der Doge stand auch vor Tagesanbruch auf, hörte die Messe und ging, um dem Volk Recht zu sprechen. Ein neuer Doge wurde auf Schultern zur Kirche getragen und betrat sie barfuß.
Orso, in den 720er-Jahren, ist der erste Doge, den wir gut kennen. Er schickte eine Flotte, um dem Exarchen des Kaisers bei der Rückkehr nach Ravenna zu helfen, und der Kaiser verlieh ihm einen byzantinischen Titel, Hypatos, also Konsul. Nach ihm regierte einige Jahre lang stattdessen ein Heermeister die Lagune, jeweils für ein Jahr gewählt.
Die ganze Zeit über zogen die Inselorte in verschiedene Richtungen. Heraclea neigte zum Kaiser in Konstantinopel, Jesolo und Malamocco dagegen zu den Franken und zum Papst. Am Ende zog der Regierungssitz als Kompromiss nach Malamocco.
Dann, im Jahr 810, kam Pippin, König von Italien und Sohn Karls des Großen. Er sammelte eine Flotte in Ravenna. Er nahm Cavarzere, Brondolo und Chioggia ein und drang den Lido entlang gegen Malamocco vor. Die Venezianer sperrten die Kanäle mit Ketten und versenkten Rümpfen und zogen die Pfähle heraus, die den Weg markierten. Die Frauen und Kinder und die Güter der Stadt brachte man nach Rialto, der Insel ganz in der Mitte der Lagunen.
Pippin, so erzählt man, rief den Inselbewohnern zu, sie seien seine Untertanen, denn sie kämen aus seinen Ländern. Die Venezianer antworteten, sie wollten Untertanen des römischen Kaisers sein und nicht seine. Die fränkischen Schiffe liefen im Gewirr der Untiefen auf Grund, und die Sommerhitze tat das Übrige. Als es hieß, eine griechische Flotte sei unterwegs, zog Pippin ab. Wenige Jahre später schlossen die beiden Reiche Frieden, und Venedig konnte weiter frei handeln.
Um das Jahr 810 zog der Regierungssitz auf die Inseln von Rialto, den Rivo Alto, also das hohe Ufer, mitten in der Lagune. Es war ein Ort auf halbem Weg zwischen den Gefahren des Festlands und den Gefahren des Meeres.
Der erste in Rialto gewählte Doge war Agnello Participazio, aus einer Familie aus Heraclea. Er bestimmte drei Männer, um die neue Hauptstadt anzulegen. Der eine, Pietro Tradonico, sollte sich um die neuen Bauten kümmern. Ein anderer, Lorenzo, sollte die Kanäle graben und festen Baugrund schaffen. Und der dritte, Nicolò Ardisonio, sollte die Lidi gegen das Meer schützen.
Agnello baute den ersten Palast der Dogen, nahe der kleinen Kirche des heiligen Theodor, auf einem Teil des Geländes, wo heute der Dogenpalast steht. Nichts davon ist erhalten. Die Klosterkirche San Zaccaria wurde gegründet, bezahlt vom byzantinischen Kaiser Leo dem Fünften, der eigene Baumeister schickte. Man errichtete Deiche, leitete Flüsse um und überbrückte Kanäle. Und langsam nahm auf den Inseln von Rialto die Stadt Venedig Gestalt an.
In der Lagune gab es eine alte Überlieferung über den heiligen Markus, den Evangelisten. Vor langer Zeit, hieß es, habe er in Aquileia gepredigt. Einmal, als er durch diese Gewässer segelte, geriet er in einen Sturm und wurde zu den Inseln von Rialto getrieben. Als er aus seinem Boot stieg, grüßte ihn ein Engel mit Worten des Friedens und sagte ihm, eines Tages werde sein Leib hier ruhen.
Um das Jahr 828, so glaubten die Venezianer, erfüllten sich die Worte des Engels. Zwei Kaufleute, Buono aus Malamocco und Rustico aus Torcello, waren mit ihren Gefährten in Alexandria in Ägypten, wo der Leib des Heiligen in seinem Grab lag.
Laut der alten venezianischen Erzählung freundeten sie sich mit dem Grabwächter an, einem Mann namens Theodor. Zuerst hatte er Angst, doch schließlich willigte er ein, ihnen zu helfen. Nachts nahmen sie den Leib aus dem Grab, legten ihn in einen Korb und bedeckten ihn mit Kohl und Schweinefleisch. An seine Stelle legten sie einen anderen Leichnam, in das eigene Leichentuch des Heiligen gehüllt, und versiegelten das Grab wieder wie zuvor.
Im selben Augenblick, so heißt es, breitete sich ein süßer Duft über die ganze Stadt aus, süßer, als alle Gewürzläden der Welt ihn hätten machen können. Die Leute sagten: Markus regt sich. Einige kamen, um das Schiff zu durchsuchen. Doch als sie das Schweinefleisch am Mast hängen sahen, flohen sie und riefen, wie die alte Chronik erzählt: „Kanzir! Kanzir! Das heißt: Schwein! Schwein!“
So segelten die Kaufleute heim. Eines Nachts, während die Mannschaft schlief, trieb das Schiff auf die Küste zu. Doch der Heilige, so heißt es, weckte den Kapitän und hieß ihn, die Segel einzuholen. Und so erreichte das Schiff sicher Venedig.
Der Doge und der Klerus empfingen den Leib mit großen Ehren. Man verzieh den Kaufleuten ihren vom Kaiser verbotenen Handel. Und der heilige Markus trat als Stadtpatron an die Stelle des heiligen Theodor. Ganz vergessen wurde der heilige Theodor aber nicht. Hoch auf einer Säule am Wasser steht seine Statue auf einem Krokodil, noch immer dem geflügelten Löwen des heiligen Markus auf der anderen gegenüber.
Wo heute der große Markusplatz liegt, war damals zwischen zwei kleinen Kirchen eine stille grüne Wiese, von einem kleinen Kanal durchzogen und von Bäumen gesäumt. Auf Land der Nonnen von San Zaccaria, neben dem Palast des Dogen, begann man den Bau einer Kapelle für den Heiligen. Einer der Gefährten der Kaufleute, Stauracio, wurde ihr erster Vorsteher. Mit der Zeit wurde die kleine Kirche vollendet und geweiht, und der geflügelte Löwe des heiligen Markus wurde zum Zeichen Venedigs.
Im Jahr 976 brach ein Aufstand gegen den damaligen Dogen aus, Pietro den Vierten Candiano. Man legte Feuer, und in einer Stadt, die vor allem aus Holz gebaut war, breitete es sich schnell aus. Die Kirche des heiligen Markus brannte, mit ihr die Kirche des heiligen Theodor, der Palast des Dogen und viele Häuser und Werkstätten. Der nächste Doge, Pietro Orseolo, der Erste dieses Namens, baute die Kirche und den Palast wieder auf, mit Handwerkern aus Konstantinopel.
Nach dem Wiederaufbau, so erzählt man, wusste niemand mehr, wo man den Leib des Heiligen beigesetzt hatte. Die Venezianer erzählten, wie die verlorenen Reliquien 1094 wiedergefunden wurden. Am fünfundzwanzigsten Juni hielt man ein Fasten und eine feierliche Prozession. Während das Volk betete, öffnete sich ein Pfeiler der Kirche, und darin stand die Truhe mit dem Heiligen. Spätere Erzählungen fügten ein großes Licht hinzu und eine Hand, die sich ausstreckte, mit einem goldenen Ring an einem Finger, einem Ring, den nur ein einziger Ratsherr des Dogen abziehen konnte.
Ein Mosaik im Inneren der Basilika zeigt die Szene: das Volk beim Gebet, den offenen Pfeiler und mitten unter ihnen den Dogen mit seiner karmesinroten Kappe, über seinem Kopf das Wort Dux. Und über dem linken Portal an der Fassade zeigt ein altes Mosaik noch heute, wie der Leib des Heiligen in seine Kirche getragen wird.
Die ersten Häuser auf den Inseln von Rialto waren aus Holz. Manche standen auf Plattformen aus Lärchenholz, manche auf Holzpfählen, denn der Boden war weicher Schlamm, Ton, Torf und wässriger Sand.
Als die Stadt wuchs, lernten ihre Baumeister, weichen Boden Stein tragen zu lassen. Zuerst gruben sie einen Graben durch den Schlamm. Dann rammten sie Tausende angespitzter Holzpfähle ein, dicht an dicht, hinab zum festeren Ton unter dem Schlamm. Das Holz war Eiche und Lärche aus den Wäldern des Festlands. Über die Köpfe der Pfähle legten sie eine Plattform aus vierkantigen Eichenbalken, in zwei Lagen. Und auf dieser Plattform bauten sie die Fundamente.
Die feste Schicht, die die Baumeister zu finden hofften, heißt Caranto. Es ist ein harter, fast wasserdichter Ton, hellbraun oder grau mit ockerfarbenen Streifen, ein uralter Boden aus dem Ende der letzten Eiszeit. Der Boden darüber senkt sich noch immer, sehr langsam, nach einer Schätzung um etwa neun Zentimeter in einem Jahrhundert. Die ältesten Pflaster der Stadt liegen etwa zwei Meter unter den heutigen. Die große Kirche Santa Maria della Salute soll auf etwa einer Million Holzpfählen stehen.
Im Mittelalter baute man Mauern aus Backstein. Manche wurden a sacco gebaut, wie ein Sack: zwei dünne Mauern, dazwischen festgestopfter Schutt. Der helle, cremefarbene istrische Stein, der heute so sehr zu Venedig gehört, wurde erst nach dem elften Jahrhundert allgemein verwendet.
Die Häuser der alten Stadt waren niedrig, mit wenigen schmalen Fenstern hinter Eisengittern. Ihre oberen Stockwerke ragten auf Holzkonsolen über die Gassen, so weit, dass manche Gassen fast überdacht waren und das Licht kaum den Boden erreichte. Manche Häuser waren nur über das Wasser erreichbar. Viele hatten einen Liago, eine überdachte Loggia, oft nach Süden gerichtet, um die Sonne einzufangen. Auf den Dächern standen die Altane, Holzplattformen, auf denen die Wäsche zum Trocknen hing. Die Böden waren aus Terrazzo.
Jede Küche hatte ihre Haube, ihren Abzug und ihren Kamin, und die Schornsteine wurden in vielen Formen gebaut. Der Historiker Pompeo Molmenti zählte einige davon auf: „umgekehrte Kegel, glockenförmig, auf Kragsteinen ruhend“. Alte Gemälde zeigen hohe, trichterförmige Schornsteine, die über die Dächer ragen.
In einer Stadt aus Holz war Feuer stets eine Gefahr. Ein großer Brand im Jahr 1105 breitete sich vom Haus der Familie Dandolo bei Santi Apostoli bis nach Santo Stefano aus, und in den Jahren danach folgten weitere. In Rialto war nach der ersten Stunde der Nacht kein Licht erlaubt.
Und dann war da noch das Wasser. Venedig steht im Salzwasser und hatte keine Quellen. Also fingen die Venezianer den Regen auf. Er fiel auf die Dächer und die gepflasterten Plätze und lief durch Löcher in den Pflastersteinen in eine Grube von etwa dreieinhalb bis fünf Metern Tiefe, mit Ton ausgekleidet und mit sauberem, gewaschenem Sand gefüllt. Langsam sickerte er durch den Sand in einen Schacht aus Backstein in der Mitte. Wie es in einer alten Enzyklopädie heißt, „sickerte das Wasser in den Brunnenschacht, aus dem es mit Kupfereimern geschöpft wurde“.
Oben stand die gemeißelte Brunnenfassung, die Vera da pozzo, oft aus einem alten Kapitell, einem Altar oder einer römischen Säulentrommel. Die Vorsteher der Viertel öffneten die öffentlichen Brunnen zweimal täglich und verwahrten die Schlüssel.
Die Stadt hat ihre eigenen Wörter. Ein Platz ist ein Campo, ein kleiner Platz ein Campiello. Eine Straße ist eine Calle, ein Kanal ein Rio, und eine Straße entlang eines Kanals ist eine Fondamenta oder eine Riva. Ein überdachter Durchgang unter einem Gebäude ist ein Sotoportego. Und ab der Mitte des zwölften Jahrhunderts war die Stadt in sechs Viertel geteilt, die Sestieri: Castello, San Marco und Cannaregio auf der einen Seite des Canal Grande, und San Polo, Santa Croce und Dorsoduro auf der anderen.
Im Jahr 991 wurde ein neuer Doge gewählt, Pietro Orseolo, der Zweite dieses Namens. Venedig hatte den Piraten der dalmatinischen Küste lange einen jährlichen Tribut gezahlt, damit sie seinen Schiffen fernblieben. Der neue Doge hörte auf zu zahlen. Bald darauf baten die kleinen Städte Dalmatiens, Zara, Trau, Spalato und Ragusa, von den Piraten bedrängt, Venedig um Schutz.
An Christi Himmelfahrt im Frühling des Jahres 1000 hörte der Doge die Messe in der Kirche San Pietro di Castello, und der Bischof gab ihm ein geweihtes Banner. Am selben Tag segelte die ganze Flotte bei gutem Westwind durch die Hafeneinfahrt am Lido hinaus, und am Abend war sie in Grado. Dort kam ihm der Patriarch in einer Prozession entgegen und gab ihm ein zweites Banner.
Von Grado segelte die Flotte weiter, über Parenzo nach Zara, und dann zwischen den Inseln hindurch nach Curzola und nach Lagosta, der Festung der Piraten. Die Festung ergab sich, und die Städte an der Küste erkannten den Dogen als Herzog von Dalmatien an. Der junge Kaiser Otto der Dritte hörte von diesen Taten. Er kam heimlich nach Venedig, um den Dogen zu sehen, und wurde Pate eines seiner Söhne.
Seitdem hielt man an Christi Himmelfahrt eine Zeremonie ab, die die Venezianer die Sensa nannten. An diesem Morgen brachte eine mit Goldstoff behängte Barke die Geistlichen des Markusdoms über die Lagune in Richtung San Nicolò del Lido, mit einem Gefäß voll Wasser, einer Vase mit Salz und einem Sprengwedel aus Olivenzweigen. Dort betete der Bischof: „Gewähre gnädig, o Herr, dass dieses Meer ruhig und friedlich sei für uns und für alle, die auf ihm fahren.“ Dann besprengte er den Dogen mit dem Wasser und goss den Rest ins Meer. Anfangs war es ein Segen.
Fast zwei Jahrhunderte später empfing Venedig zwei große Gäste. Papst Alexander der Dritte und Kaiser Friedrich Barbarossa waren lange Feinde gewesen. Venedig wurde als Ort ihres Treffens gewählt, und der Doge, Sebastiano Ziani, versprach, den Kaiser nicht ohne die Zustimmung des Papstes einzulassen.
An einem Sonntag Ende Juli 1177 überquerte der Kaiser die Lagune in der eigenen Barke des Dogen, zwischen dem Dogen und dem Patriarchen sitzend. Am Landeplatz standen zwei hohe Masten mit den Bannern des heiligen Markus. Vor der Basilika saß der Papst wartend auf seinem Thron. Der Kaiser legte seinen Purpurmantel ab und kniete zu Füßen des Papstes nieder, und der Papst hob ihn auf und gab ihm den Friedenskuss.
Glocken läuteten, und man sang das Te Deum. Am nächsten Tag, nach der Messe, hielt er dem Papst den Steigbügel. In der Vorhalle des Markusdoms zeigen drei rote Marmorplatten noch die Stelle, wo sie sich trafen.
Spätere Venezianer fügten eigene Legenden hinzu. Sie erzählten, der Papst sei zuerst verkleidet nach Venedig gekommen und habe eine Nacht auf dem bloßen Boden bei der Kirche San Apollinare geschlafen, wo noch eine Inschrift die Stelle zeigt.
Und die Venezianer erzählten, der Papst habe dem Dogen einen Ring gegeben, als Pfand, dass er und seine Nachfolger für immer über das Meer herrschen würden. In späteren Jahrhunderten wurde aus dem Segen eine Hochzeit.
An jedem Himmelfahrtstag fuhr der Doge im Bucintoro hinaus, der großen vergoldeten Staatsbarke, gerudert von hundertsechzig Schiffbauern, vier an jedem Ruder, und Galeeren und Gondeln folgten. Bei der Insel Sant'Elena reichte der Bischof geschälte Kastanien und Rotwein, und der Doge gab Damaszenerrosen in einem Silberbecher. Dann fuhr der Bucintoro durch die Hafeneinfahrt am Lido aufs offene Meer. Der Patriarch segnete einen Ring, und der Doge ließ ihn ins Wasser fallen, mit den alten lateinischen Worten „Desponsamus te, mare“, das heißt: „Meer, wir vermählen uns mit dir.“
Auf der Barke spielte Musik, und danach gab es Festmähler und einen Jahrmarkt, der eine Woche dauerte. Jahr für Jahr wurde die Hochzeit wieder gefeiert, solange die Republik bestand.
Der Markusdom, wie er heute dasteht, ist der dritte Bau an dieser Stelle. Er wurde ab 1063 neu gebaut und im Jahr 1094 geweiht, unter drei Dogen nacheinander: Domenico Contarini, Domenico Selvo und Vitale Falier.
Domenico Selvo wurde 1071 gewählt. Das Volk versammelte sich in seinen Booten bei der Kirche San Pietro di Castello, und während die Geistlichen beteten, erhob sich ein großer Ruf, der Selvo als den Dogen nannte, den sie wollten. Die Menge trug ihn auf den Schultern zu seiner Barke, und man ruderte ihn zum Markusplatz, während das Te Deum erklang und tausend Ruder das Wasser zu Schaum schlugen. Er zog die Schuhe aus und betrat den Markusdom barfuß, während die Glocken aller Kirchen läuteten.
Selvos Frau war eine griechische Dame, und die Venezianer waren über sie entsetzt. Die Chronisten erzählten von ihren Parfums und ihren Bädern in Tau, und man sagte sogar, sie habe mit einer Gabel gegessen. Doch man erinnert sich an Selvo vor allem wegen seiner Kirche. Ein Chronist schrieb, er habe mit der Mosaikarbeit begonnen und in alle Länder nach Marmor und Edelsteinen geschickt. Jedes Schiff, das aus dem Osten zurückkam, musste seinen Teil mitbringen, und ein Gesetz der Republik verlangte von jedem Kaufmann, der mit dem Osten handelte, etwas für die Kirche mitzubringen.
Byzantinische und lombardische Handwerker arbeiteten Seite an Seite, und aus ihren zwei Bauweisen wuchs ein neuer Stil, den man venezianisch-byzantinisch nennt. Der Grundriss ist ein griechisches Kreuz mit vier gleichen Armen, nach dem Vorbild der Apostelkirche in Konstantinopel. Über der Mitte und über jedem Arm erhebt sich eine Kuppel, fünf Kuppeln insgesamt.
Es gibt etwa fünfhundert Marmorsäulen, innen und außen, die meisten aus dem Osten gebracht, mit Kapitellen in allen möglichen Stilen. Unter den Mosaiken sind die Wände mit dünnen Platten aus seltenem Marmor, Porphyr und Alabaster verkleidet, in breiten farbigen Bändern.
Darüber, auf allen Kuppeln und Gewölben, leuchtet das Mosaik. Es sind Tausende Quadratmeter Goldmosaik, mit Geschichten aus der Bibel, und hoch in der Mittelkuppel die Gestalt Christi. Die Arbeit begann zu Selvos Zeit und dauerte Jahrhunderte.
Innen ist das Licht gedämpft. John Ruskin verglich die Kirche mit einer großen Höhle, in Form eines Kreuzes gehauen. Das Tageslicht kommt nur durch schmale Öffnungen rund um die Kuppeln, wie große Sterne. In den Kapellen brennen Silberlampen, und das Gold der Decke wirft an jeder Rundung einen schwachen Schimmer zurück. Unter den Füßen scheint der Marmor in farbigen Wellen zu steigen und zu sinken.
Der Boden bedeckt mehr als zweitausend Quadratmeter, mit rotem und grünem Porphyr, Marmor und kleinen Glasstücken, und Teile davon wurden im zwölften Jahrhundert gelegt. Er hebt und senkt sich wirklich, denn die Krypten darunter sind langsam abgesunken und stehen oft unter Wasser.
Von außen sah Ruskin die Fassade als „eine lange, niedrige Pyramide aus farbigem Licht; ein Schatzhaufen, so scheint es, teils aus Gold, teils aus Opal und Perlmutt“. Tauben nisten zwischen den gemeißelten Marmorblättern der Portale. Und da sind die vier Bronzepferde, die später kamen, wie wir noch hören werden.
Hinter dem Hochaltar steht die Pala d'Oro, die goldene Altartafel. Sie wurde im Auftrag des Dogen in Byzanz begonnen und über zwei Jahrhunderte erweitert. Sie ist etwas über drei Meter breit und etwa zwei Meter hoch, aus vergoldetem Silber, besetzt mit etwa zweihundertfünfzig Emailbildern von Christus, Engeln und Heiligen und fast zweitausend Edelsteinen: Perlen und Granaten, Amethysten, Saphiren, Smaragden und Rubinen. An den meisten Tagen blieb sie geschlossen, hinter einer bemalten Tafel, und wurde nur an den hohen Festen geöffnet.
Etwa tausend Jahre lang war dies die eigene Kapelle des Dogen, die Kirche des Staates. Erst im Jahr 1807 wurde sie zur Kathedrale von Venedig.
In der ersten Fastenwoche des Jahres 1201 kamen sechs Gesandte über die Lagune nach Venedig. Sie kamen im Auftrag der großen Barone Frankreichs, die das Kreuz genommen hatten und ins Heilige Land segeln wollten. Einer von ihnen war Gottfried von Villehardouin, der Marschall der Champagne, der die Geschichte später aufschrieb.
Sie fanden den Dogen inmitten seines Rates. Er hieß Enrico Dandolo. Er war Anfang der 1190er-Jahre gewählt worden und schon ein sehr alter Mann, vielleicht in seinen Achtzigern. Er war auch fast blind. Villehardouin sagt, er habe sein Augenlicht durch eine Kopfwunde verloren.
Die Gesandten baten um Schiffe. Der alte Doge sagte, sie bäten um eine große Sache, und er brauche acht Tage, um darüber nachzudenken. Dann gab er seine Antwort. Venedig werde Schiffe und Transportschiffe für viertausendfünfhundert Ritter und ihre Pferde bauen, für neuntausend Knappen und zwanzigtausend Mann zu Fuß, mit Proviant für neun Monate, zum Preis von fünfundachtzigtausend Mark. Und Venedig werde fünfzig eigene bewaffnete Galeeren dazugeben, gegen die Hälfte von allem, was man gewinnen würde.
Nach und nach gewann der Doge sein Volk dafür. Zuerst stimmte sein Rat der Vierzig zu, dann hundert, dann zweihundert, dann tausend. Schließlich versammelten sich etwa zehntausend Menschen im Markusdom, um die Messe zu hören. Die Gesandten knieten weinend vor ihnen nieder. Und die ganze Menge hob die Hände und rief wie aus einem Mund: „Wir stimmen zu, wir stimmen zu!“
Im nächsten Jahr kamen die Kreuzfahrer und lagerten auf dem Lido. Doch es waren viel weniger gekommen als erwartet, und sie konnten nicht zahlen. Also schlug der Doge vor, sie sollten Venedig zuerst helfen, die Stadt Zara an der Küste Dalmatiens zurückzugewinnen, und die Zahlung könne warten. Dann, an einem Sonntag, stieg der alte Doge auf die Kanzel des Markusdoms und bat, selbst das Kreuz nehmen zu dürfen. Er kniete vor dem Altar, und das Kreuz wurde vorn an den großen Baumwollhut genäht, den er trug, damit alle es sehen konnten.
Anfang Oktober 1202 lief die Flotte aus der Lagune aus. Über den großen Galeeren wehte das Banner des heiligen Markus, ein goldener Löwe auf Karmesin, und das ganze Heer sang den alten Hymnus Veni Creator. Sie kamen zuerst nach Zara, das sich im November ergab, und dort verbrachten sie den Winter.
Ihre Pläne hatten sich geändert, und im Frühling segelten sie nicht ins Heilige Land, sondern nach Konstantinopel. Im Juni 1203 kamen sie in Sichtweite der großen Stadt. „Sie hätten nie gedacht“, schrieb Villehardouin, „dass es auf der ganzen Welt eine so reiche Stadt geben könnte.“
In jenem Sommer, als die Galeeren ans Ufer kamen, stand der alte blinde Doge in Rüstung am Bug seiner Galeere, das Banner des heiligen Markus vor sich. Und im April 1204 wurde die große Stadt eingenommen, und viele ihrer Schätze wurden in den Westen fortgebracht.
Dandolo wollte die Krone des neuen Reiches nicht annehmen, aber er wurde Herr über ein Viertel und ein halbes Viertel davon. Venedig kaufte die große Insel Kreta, und venezianische Familien nahmen viele kleinere Inseln der Ägäis in Besitz.
Unter den Schätzen, die nach Venedig kamen, waren vier Bronzepferde, die im Hippodrom gestanden hatten, der großen Rennbahn von Konstantinopel. Sie bestehen fast ganz aus Kupfer und waren einst vergoldet. Die Venezianer stellten sie hoch oben an die Fassade der Basilika, über die Portale.
Es kamen auch vier aus Porphyr gemeißelte Kaiser, die einander umarmen, die Figuren, die man die Tetrarchen nennt. Man setzte sie in eine Ecke der Basilika ein. Einem von ihnen fehlte ein Teil eines Fußes, und in den 1960er-Jahren fand man die fehlende Ferse in Istanbul.
Der alte Doge kehrte nie heim. Er starb im Frühsommer 1205 in Konstantinopel und wurde in der großen Kirche Hagia Sophia begraben. Sein Grab ging vor langer Zeit verloren. Eine Markierung, im neunzehnten Jahrhundert angebracht, zeigt, wo es wahrscheinlich lag.
Marco Polo wurde um das Jahr 1254 in Venedig geboren, auch wenn niemand den genauen Tag kennt, oder auch nur den genauen Ort. Er stammte aus einer Familie von Kaufleuten. Sein Vater, Nicolò, und sein Onkel, Maffeo, waren im Jahr 1260 in Konstantinopel. Von dort reisten sie weit in den Osten, und sie kehrten erst 1269 heim.
Etwa im November 1271 brachen die beiden Brüder wieder auf, und diesmal nahmen sie den jungen Marco mit. Sie zogen von Akkon aus, an der Küste des Heiligen Landes, mit Briefen des neuen Papstes, Gregors des Zehnten.
Der Weg war sehr lang. Sie reisten über Ayas und Sivas hinunter nach Hormus und wandten sich dann wieder nach Norden, über Kerman nach Balch und Badachschan. Sie folgten dem Fluss Oxus hinauf zur Hochebene des Pamir, stiegen hinab nach Kaschgar und Khotan und durchquerten die Wüste Gobi. Endlich, etwa im Mai 1275, erreichten sie den großen Kublai Khan in seinem Sommerpalast Shangdu. Marco war damals etwa einundzwanzig.
Kublai empfing sie freundlich und fand Gefallen an dem jungen Venezianer. Marco lernte die Sprachen des Hofes, und der Khan begann, ihn mit Aufträgen auszusenden. Marco merkte, dass der Khan es liebte, von fremden Ländern und ihren Sitten zu hören. Also sammelte er überall, wohin er kam, seltsame Dinge, um sie ihm zu erzählen. Drei Jahre lang regierte er die große Stadt Yangzhou, und einmal reiste er in einem Auftrag bis zu den indischen Meeren.
Zu den Wundern, die er beschrieb, gehörte eine Art schwarzer Stein, den man aus den Bergen grub und wie Holz verbrannte. „Wenn du das Feuer nachts mit ihnen versorgst“, sagte er, „und darauf achtest, dass sie gut brennen, findest du sie am Morgen noch glühend.“ Wir würden es Kohle nennen.
Nach vielen Jahren begannen die Polos, sich nach der Heimat zu sehnen. Anfang 1292 segelten sie vom Hafen Zaitun ab, als Begleiter einer Prinzessin namens Kokachin, siebzehn Jahre alt, die den mongolischen Herrscher Persiens heiraten sollte. Die Reise dauerte mehr als zwei Jahre, mit langen Aufenthalten auf Sumatra und im Süden Indiens. Als sie sich endlich trennten, weinte die Prinzessin beim Abschied von den freundlichen Venezianern. Die Polos reisten weiter über Täbris und erreichten Venedig 1295. Sie waren fast ein Vierteljahrhundert fort gewesen.
Eine alte venezianische Geschichte erzählt, dass ihre eigenen Verwandten sie nicht erkannten, als sie in groben, abgetragenen Kleidern tatarischen Schnitts heimkamen. Also gaben die drei ein Fest. Sie kamen in langen Gewändern aus karmesinrotem Satin zu Tisch, wechselten dann in karmesinroten Damast und dann in karmesinroten Samt und gaben jedes Gewand nacheinander den Dienern. Dann holte Marco ihre alten Reisekleider hervor, und sie schnitten die Nähte mit scharfen Messern auf. Heraus fielen Rubine und Saphire, Diamanten und Smaragde, die darin eingenäht waren. Danach glaubten ihnen alle.
Weil Marco so oft von Millionen sprach, nannte man ihn Messer Marco Millioni. Und der Innenhof des Familienhauses, nahe der Kirche San Giovanni Grisostomo, wurde als die Corte del Milion bekannt.
Einige Jahre später geriet Marco in einer Seeschlacht mit Genua in Gefangenschaft. Im Gefängnis dort traf er einen Schriftsteller aus Pisa namens Rustichello, der Romane über König Artus und seine Ritter schrieb. Marco erzählte ihm seine Geschichte, und Rustichello schrieb sie auf. Man sagt, die Adligen Genuas hätten den berühmten Gefangenen besucht und ihm Geschenke gebracht. Das Buch entstand 1298. Auf Italienisch heißt es Il Milione, und einer seiner frühen französischen Titel war das Buch der Wunder der Welt.
Marco kam frei, nachdem 1299 Frieden geschlossen wurde. Er kehrte heim, heiratete eine Dame namens Donata, und sie bekamen drei Töchter, Fantina, Bellela und Moreta. Er starb im Winter 1324 und bat darum, in der Kirche San Lorenzo begraben zu werden. Die meisten Historiker glauben, dass seine große Reise wirklich stattfand, auch wenn manche daran gezweifelt haben.
Hinter hohen Mauern aus rotem Backstein lag der Ort, an dem Venedig seine Schiffe baute. Die Venezianer nannten ihn Arsenale, und auf Deutsch sagen wir Arsenal. Das Wort kommt wahrscheinlich von einem arabischen Wort, das ein Wasserbecken bedeutet.
Eine alte Überlieferung sagt, der Doge Ordelafo Falier habe die kleinen, verstreuten Werften der Stadt zu einer großen Werft vereint, und nach der Tradition stammt das Arsenal aus dem Jahr 1104. Anfang des vierzehnten Jahrhunderts wurde es stark erweitert, und es wuchs noch jahrhundertelang. Am Ende bedeckte es etwa fünfundvierzig Hektar, ein ganzes Stadtviertel, umschlossen von Zinnenmauern von etwa drei Kilometern Länge. Ein Autor beschrieb 1903 die zwölf Wachtürme, die einst über die Mauern wachten, und die Posten, die Tag und Nacht auf ihnen auf und ab gingen.
Drinnen lagen Becken mit stillem Wasser, lange Hallen und geschäftige Werkstätten. Tausende Arbeiter, manche sagen bis zu sechzehntausend, arbeiteten hier. Man nannte sie die Arsenalotti, die Männer des Arsenals. Die Schiffe wurden aus vorher gefertigten Teilen zusammengesetzt, und zeitweise konnten bis zu hundert Galeeren gleichzeitig in Arbeit sein. Der Hanf für die Taue kam von weit her, von der Mündung des Don, und die Taue wurden in einem langen, schmalen Gebäude namens Tana gedreht. Die Republik gab fast ein Zehntel all ihrer Einnahmen für ihre Schiffe und Flottenbauten aus.
Anfang des vierzehnten Jahrhunderts schrieb der Dichter Dante sein großes Gedicht, die Göttliche Komödie. In einem Teil davon, in der Hölle, blickt er hinab in einen dunklen Graben, in dem dickes Pech kocht, und das erinnert ihn an das Arsenal von Venedig im Winter. In Longfellows alter englischer Übersetzung beginnen die Verse etwa so: „Wie im Arsenal der Venezianer im Winter das zähe Pech kocht, um ihre lecken Schiffe neu zu bestreichen.“
Dante schildert dann die geschäftige Werft. Einer baut ein neues Schiff, und ein anderer stopft die Lücken in den Spanten eines alten, das viele Fahrten gemacht hat. Einer hämmert am Bug, einer am Heck. Einer macht Ruder, einer dreht Taue, und ein anderer flickt die Segel.
Stell dir die Werft an einem Wintermorgen vor, die Luft kalt und scharf. Sie ist erfüllt vom Geruch heißen Pechs und vom Klingen der Hämmer, und Rauch zieht tief über das stille Wasser.
Die Männer des Arsenals hatten einen Ehrenplatz in der Stadt. Sie waren es, die am Himmelfahrtstag die goldene Barke des Dogen ruderten.
Im Sommer 1574 kam ein junger König nach Venedig. Es war Heinrich der Dritte von Frankreich, dreiundzwanzig Jahre alt. Er kam im Juli an und wohnte im Palast Ca' Foscari. Die Venezianer zeigten ihm all ihre Wunder, und das Arsenal war eines davon. Man erzählte, eine ganze Galeere sei zusammengebaut und zu Wasser gelassen worden, während der König tafelte.
Das Landtor des Arsenals wurde um 1460 in Form eines römischen Triumphbogens erbaut. Es gilt als der erste Bau der Renaissance in Venedig, und darauf steht eine Statue der heiligen Justina. Neben dem Tor sitzen Marmorlöwen, die der venezianische Feldherr Francesco Morosini 1687 aus Griechenland brachte, einer davon aus dem Hafen von Athen.
Der größte Löwe ist etwa drei Meter hoch und wurde im vierten Jahrhundert vor Christus gehauen. Auf seinen Schultern winden sich gemeißelte Linien in Form einer Schlange. Es sind Runen, wahrscheinlich im elften Jahrhundert von einem skandinavischen Soldaten eingeritzt.
Später bewahrte ein Museum im Arsenal Modelle venezianischer Schiffe und Galeeren aller Art. Nun sind sie klein und still. Doch sie rufen die Tage zurück, als die großen Becken vom Lärm der Arbeit widerhallten.
In den frühen Jahrhunderten wurde der Doge, zumindest dem Namen nach, vom ganzen Volk Venedigs gewählt. Doch nach einem gescheiterten Feldzug im Jahr 1171 änderte sich das. Ein Großer Rat wurde geschaffen, der Überlieferung nach 1172. Jeder der sechs Sestieri wählte zwei Männer, und jeder von ihnen benannte vierzig Bürger, sodass der Rat vierhundertachtzig Mitglieder hatte, die ein Jahr lang dienten.
Von nun an wählte der Rat den Dogen. Wurde ein neuer Doge gewählt, zeigte man ihn dem Volk mit einer kurzen, höflichen Formel: „Dies ist euer Doge, wenn es euch gefällt.“
Der Doge leistete auch einen Eid, die Promissione, die festlegte, was er durfte und was nicht, und sie wurde bei jeder neuen Wahl ein wenig geändert. Ein Historiker schrieb, der Doge habe viel Prunk, aber wenig Macht gehabt. Er durfte die Stadt nicht verlassen und Briefe fremder Herrscher nicht allein öffnen.
Als 1268 die Rivalität zwischen den großen Familien wuchs, führte man eine neue Art der Dogenwahl ein. Am Wahltag ging der jüngste Ratsherr in den Markusdom und betete. Dann ging er hinaus auf den Markusplatz und nahm den ersten Jungen mit, dem er begegnete. Der Junge hieß Ballottino, der Losjunge, und seine Aufgabe war es, die Lose aus der Urne zu ziehen.
Dann begann die langsame Arbeit. Dreißig Ratsherren wurden ausgelost, und das Los verringerte die Dreißig auf neun. Die Neun wählten vierzig, und das Los verringerte die Vierzig auf zwölf. So ging es weiter, hin und her, bis es einundvierzig Wahlmänner gab. Ihre Wahl war die letzte von zehn Runden aus Losen und Stimmen. Jeder schrieb einen Namen, und die Namen kamen in eine Urne. Einer wurde gezogen, und der Genannte verließ den Raum, während die anderen über seine Verdienste und Fehler sprachen, und dann rief man ihn zurück, damit er antwortete.
Bekam er fünfundzwanzig Stimmen oder mehr, war er Doge. Man zeigte ihn dem Volk von der Porphyrkanzel im Markusdom und trug ihn rund um den Markusplatz, während er Münzen in die Menge warf. Oben an der Treppe des Palastes setzte ihm der älteste Ratsherr den Corno auf, die Mütze des Dogen. Der erste so gewählte Doge war Lorenzo Tiepolo. Ein Chronist jener Zeit erzählt, wie die Glocken läuteten und sogar die kleinen Kinder zum Markusdom liefen und seinen Namen riefen.
Im Jahr 1297, unter dem Dogen Pietro Gradenigo, kam die Änderung, die die Venezianer Serrata nannten, die Schließung. Über jeden, der in den vier Jahren zuvor im Rat gesessen hatte, wurde einzeln abgestimmt, und wer zwölf Stimmen oder mehr bekam, wurde Mitglied. Bald konnten praktisch nur noch Männer auf Eintritt hoffen, deren Familien väterlicherseits im Rat gesessen hatten. Der Rat wuchs schnell, und bis 1311 hatte er mehr als tausend Mitglieder. Ihre Namen wurden in ein Buch geschrieben, das man später das Goldene Buch nannte.
An einem stürmischen Junimorgen 1310 versuchte eine Gruppe Adliger, den Markusplatz einzunehmen, doch das Komplott war verraten, und Regen, Wind und die Männer des Dogen zerstreuten sie. Eine alte Geschichte sagt, eine Frau habe einen Steinmörser aus dem Fenster fallen lassen, und das Banner der Rebellen fiel.
Wenige Wochen später wurde ein kleiner Rat eingesetzt, der über die Sicherheit des Staates wachen sollte. Er sollte nur kurze Zeit bestehen, doch bald wurde er dauerhaft. Das war der Rat der Zehn. Seine Mitglieder dienten ein Jahr lang, ohne Lohn. Drei von ihnen waren die Häupter, jeder für einen Monat, und in diesem Monat mussten sie Läden und öffentliche Orte meiden. Mit dem Dogen und seinen sechs Räten saßen sie zu siebzehnt, die Räte in Karmesin, die Häupter der Zehn in Violett und die übrigen in Schwarz.
Hier und da in der Stadt gab es steinerne Löwenmäuler, in die man schriftliche Anzeigen werfen konnte. Eines, an den Zattere, war für Verstöße gegen die Gesundheitsregeln. Ein anderes, beim Arsenal, war für Raufbolde in der Kirche.
Neben der Basilika, mit Blick über das Wasser, steht der Palast der Dogen. Der erste Palast hier war wahrscheinlich eine kleine, starke Burg. In den 1170er-Jahren erneuerte und erweiterte ihn der Doge Sebastiano Ziani. Doch der Palast, den wir heute sehen, begann nach der Schließung des Großen Rates zu wachsen. Der Rat war größer geworden, und er brauchte einen größeren Saal.
Ein neuer Saal wurde im Jahr 1301 begonnen, und ab etwa 1340 baute man den großen Flügel an der Lagune. Um 1365 bedeckte ein Maler aus Padua, Guariento, eine Wand des neuen Saals mit einem großen Fresko des Paradieses, und um das Jahr 1400 wurde die Decke mit Sternen bemalt. Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts nahm der Große Rat im neuen Saal seine Plätze ein. Dann wurde ab 1424, unter dem Dogen Francesco Foscari, der Flügel entlang der Piazzetta gebaut, passend zur Front am Wasser.
Das Äußere gleicht keinem anderen Gebäude. Unten verlaufen zwei Geschosse mit offenen Bögen, mit siebzehn großen Bögen unten an der Seite der Lagune und achtzehn an der Piazzetta. Darüber erhebt sich eine große Mauer, durchbrochen von nur wenigen großen Fenstern. Sie ist mit einem Rautenmuster aus cremeweißem istrischem Stein und rotem Marmor aus Verona bedeckt, das ihr, wie eine alte Enzyklopädie sagt, „einen zarten rosig-orangen Farbton“ gibt. An den Ecken zeigen gemeißelte Gruppen die Trunkenheit Noahs, Adam und Eva und das Urteil Salomos. Hoch über ihnen stehen die Erzengel Raphael, Michael und Gabriel.
Neben der Basilika liegt das Prunktor, die Porta della Carta, ein Werk von Giovanni und Bartolomeo Bon, aus der Zeit um 1440. Im Hof erhebt sich die Gigantentreppe, und oben auf ihr stehen seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts Sansovinos große Statuen von Mars und Neptun, als Zeichen für die Macht Venedigs zu Lande und zur See.
1574 gab es einen Brand, und im Dezember 1577 einen weit größeren, der durch den Saal des Großen Rates fegte. Er zerstörte Gemälde von Carpaccio, von den Bellini, von Tizian und vielen anderen. Der Architekt Palladio wollte den verbrannten Palast abreißen und einen neuen bauen. Doch andere sprachen sich dafür aus, die alten Mauern zu erhalten, und bis etwa 1580 war der Palast wiederhergestellt.
Der Saal des Großen Rates ist dreiundfünfzig Meter lang und fünfundzwanzig Meter breit. Sonntags, wenn die Glocken des Markusturms läuteten, kamen zwischen zwölfhundert und zweitausend Adlige hierher, um Platz zu nehmen, der Doge auf einem erhöhten Podest und die Ratsherren auf langen Doppelreihen von Bänken. Unter der Decke verläuft eine Reihe von Bildnissen der frühen Dogen, und ein Doge, der sich gegen die Republik verschwor, ist nur durch ein gemaltes schwarzes Tuch dargestellt. Hinter dem Thron hängt Tintorettos Paradies, mit seiner Werkstatt zwischen 1588 und 1592 gemalt, eines der größten Gemälde auf Leinwand, die je geschaffen wurden. 1903 fand man darunter versengte Spuren von Guarientos altem Paradies.
Der Palast enthielt auch Gefängnisse. Es gab die Pozzi, die Brunnen, im Erdgeschoss, und die Piombi, die Bleikammern, oben unter dem Bleidach. Ein berühmter Gefangener entkam aus den Zellen unter dem Dach, wie wir noch hören werden. Mit der Zeit baute man neue Gefängnisse jenseits des schmalen Kanals hinter dem Palast, mit helleren und luftigeren Zellen, und um 1600 wurde eine Brücke gebaut, um sie zu verbinden. Sie ist geschlossen und überdacht, mit zwei Gängen nebeneinander, und ihre kleinen Fenster blicken auf die Lagune und San Giorgio. Ihr berühmter Name, Seufzerbrücke, kam später auf, in der Zeit der romantischen Dichter.
Auf der Piazzetta, nahe am Wasser, stehen zwei hohe Säulen. Die eine trägt den geflügelten Löwen des heiligen Markus, die andere den heiligen Theodor, auf einem Krokodil stehend. Sie wurden als Trophäen aus dem Osten gebracht und der Überlieferung nach im zwölften Jahrhundert aufgerichtet, und der bronzene Löwe ist weit älter als Venedig selbst. Es heißt, ein Ingenieur, Nicolò Barattieri, habe sie mit nassen Seilen aufgerichtet, die sich beim Trocknen spannten, und eine dritte Säule sei ins Wasser gefallen und nie gefunden worden.
Der Name Rialto kommt von Rivoaltus, dem hohen Ufer, ein alter Name für die Ufer des Kanals, aus dem der Canal Grande wurde. 1097 zog der Markt der Stadt hierher, und jahrhundertelang war dies das geschäftige Herz des venezianischen Handels. Es gab Läden und Lagerhäuser, Ämter für Versicherungen und für Steuern, und Bankiers hatten ihre Tische auf dem kleinen Platz des Rialto. Ein englischer Reisender von 1608 notierte, dass sich die Kaufleute dort zweimal am Tag trafen, zwischen elf und zwölf Uhr morgens und zwischen fünf und sechs Uhr nachmittags.
Zuerst gab es hier überhaupt keine Brücke. Dann, im späten zwölften Jahrhundert, kam zunächst eine Brücke aus Booten. Später gab es Brücken aus Holz, und der Mittelteil der Holzbrücke ließ sich anheben, damit die hohen Masten der Schiffe hindurchkamen, wie ein altes Gemälde von Carpaccio zeigt. In den Unruhen von 1310 wurde die Holzbrücke teilweise niedergebrannt. In der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts baute man an ihren Seiten zwei Reihen von Läden. 1444 stürzte sie ein, unter einer Menge, die den Hochzeitszug des Markgrafen von Ferrara sehen wollte, und 1524 stürzte sie erneut ein.
1503 wurde eine Brücke aus Stein vorgeschlagen, und 1551 rief man zu Entwürfen auf. Große Architekten, darunter Sansovino, Palladio und Vignola, legten Pläne vor, doch ihre Brücken brauchten mehrere Bögen, und sie wurden abgelehnt. Schließlich baute Antonio da Ponte zwischen 1588 und 1591 einen einzigen Bogen aus Stein, etwa zweiunddreißig Meter weit. Ein anderer Architekt, Scamozzi, sagte, ein so kühner Bogen werde sicher einstürzen. Er steht bis heute.
Derselbe englische Reisende, Thomas Coryat, fand sie frisch erbaut aus behauenem weißem Stein, mit zwei Reihen kleiner Läden für Handwerker. Er nannte sie „bei Weitem die schönste Brücke mit einem einzigen Bogen, die ich je sah, von der ich je las oder hörte“. 1786 blickte der deutsche Dichter Goethe vom Bogen hinab auf den Kanal, voller Schiffe, die Waren vom Festland entluden, mit einem Schwarm von Gondeln dazwischen. Sie war noch immer die einzige Brücke über den Canal Grande.
1514 zerstörte ein großer Brand die meisten Gebäude des Rialto. Nur die kleine Kirche San Giacomo di Rialto blieb verschont, und der Markt wurde um sie herum neu aufgebaut.
Auf dem Markt verkaufte man Fisch und Fleisch, Käse, Obst und Gemüse und Waren aus dem Osten, Gewürze, Gold und Seide. Wenn du früh am Morgen dorthin gehst, findest du noch immer den Kräutermarkt, die Erberia, mit Radicchio aus Treviso und mit Artischocken und Spargel von den Garteninseln Sant'Erasmo und Le Vignole. Auf dem Fischmarkt gibt es Seezungen und Sardinen, Kalmare und Sepien, Krebse und Aale. Die Fischmarkthalle wurde 1907 im alten gotischen Stil neu gebaut, und in ihre steinernen Kapitelle sind Fische, Jakobsmuscheln, Krebse, Hummer und Seepferdchen gemeißelt.
Vom Rialto schlängelt sich die Einkaufsstraße namens Merceria zum Markusplatz. Ein englischer Tagebuchschreiber von 1645 fand sie behängt mit Goldstoff, Damast und Seide. Sie war voller Parfüms und voller Käfige mit Nachtigallen, die von Laden zu Laden sangen.
Neben der Brücke stand der Fondaco dei Tedeschi, das Haus der deutschen Kaufleute. Er wurde zuerst 1228 erbaut, als Herberge, Lagerhaus und Markt für Händler aus deutschen Landen. Bei ihrer Ankunft gaben sie ihre Waffen ab, und Venedig nahm einen kleinen Anteil an jedem Geschäft, das dort geschlossen wurde. Er brannte 1505 ab und wurde bis 1508 neu gebaut, vier Geschosse um einen Innenhof. Seine Außenwände bemalten Giorgione und der junge Tizian, und einige verblasste Bruchstücke sind erhalten, in der Ca' d'Oro und in der Accademia.
Um 1596 schrieb Shakespeare in England Der Kaufmann von Venedig. Darin spricht Shylock von Antonios Schiffen, eines unterwegs nach Tripolis, ein anderes nach Indien. Und mehr als einmal fragt im Stück jemand: „Was gibt es Neues auf dem Rialto?“
Das Wort Gondel ist seit dem späten elften oder zwölften Jahrhundert belegt. Auf alten Gemälden von etwa 1500 haben die Gondeln offene Baldachine aus prächtigem, farbigem Stoff, getragen von leichten, gewölbten Gestellen. Dann wurden sie durch ein Gesetz des sechzehnten Jahrhunderts, meist auf 1562 datiert, schwarz. Die Luxusgesetze schrieben vor, die Kabinen mit schlichter schwarzer Wolle zu verhängen, ohne Seide, ohne Fransen, ohne Schnitzwerk und ohne Vergoldung. Nur ausländische Gesandte waren von diesen Regeln befreit.
Einst gab es in Venedig vielleicht zehntausend Gondeln. Als der deutsche Dichter Goethe 1786 ankam, erkannte er sie sofort. Sein Vater hatte ein schönes Modell einer Gondel mit nach Hause gebracht, und als Kind hatte Goethe damit spielen dürfen. Nun begrüßten ihn die schwarzen Boote wie alte Freunde.
Eine Gondel ist etwa elf Meter lang und weniger als anderthalb Meter breit. Sie besteht aus rund zweihundertachtzig Teilen, geschnitten aus acht Holzarten, Linde und Eiche, Mahagoni und Nussbaum, Kirsche, Tanne, Lärche und Ulme, und der Bau einer Gondel dauert etwa zwei Monate. Sie ist nicht ganz symmetrisch. Eine Seite ist etwas voller als die andere, damit ein einzelner Ruderer, der hinten am Heck steht, sie geradeaus rudern kann. Die moderne Form wurde im späten neunzehnten Jahrhundert in der Werft Tramontin vollendet.
Am Bug steht der Ferro, ein Stück blanker Stahl in der Form eines Axtkopfes, mit sechs Zähnen darunter und einem weiteren Zahn, der nach hinten zeigt. Die Venezianer sagen gern, die sechs Zähne stünden für die sechs Sestieri und der hintere Zahn für die Giudecca. Am Heck ruht das Ruder in der Forcola, einer geschnitzten Ruderdolle aus Nussbaum. Sie ist so geformt, dass das Ruder an mehreren Stellen liegen kann, zum Vorwärtsrudern, zum Wenden, zum Bremsen, zum Anhalten und zum Rückwärtsfahren. Sie gilt als das kostbarste Stück von allen.
Für die Fahrgäste gab es den Felze, die kleine Kabine. Er hatte einen Holzrahmen, bedeckt mit schwarzem Wolltuch und Seidenquasten, mit einer Tür, zwei Fenstern und einem kleinen Messingschrein für das Bild eines Heiligen. Innen war das Nussbaumholz geschnitzt, oft mit Szenen aus dem Werk des Dichters Tasso. Seepferdchen und Delfine aus Messing glänzten zu beiden Seiten.
Gondeln wurden in Werften namens Squeri gebaut, offenen Plätzen an kleinen Kanälen, mit Holzschuppen und einer langen, mit Schlamm verputzten Rampe, die zum Wasser hinabführt. Stell dir die Szene vor. In einer Ecke brodelt ein Topf mit Pech, und unter den Rümpfen lodern Strohfeuer auf, um sie zu trocknen. Die Männer gehen umher, geschwärzt vom Pech, einen kleinen Heiligen oder einen Glücksbringer am Hals. Der Squero von San Trovaso arbeitet seit mindestens dem siebzehnten Jahrhundert, und seine Holzbauten gleichen den Berghäusern des Cadore, woher die ersten Zimmerleute und das Holz kamen.
Ein Gondoliere liebte sein Boot. Er verbrachte jeden Tag Stunden damit, es mit dem Schwamm zu waschen und zu trocknen, und bei nassem Wetter ölte und polierte er den Stahl zweimal am Tag. Über den Canal Grande gab es seit dem dreizehnten Jahrhundert Gondelfähren, die Traghetti, und die Bootsleute bildeten sehr früh eigene Zünfte.
An einem mondhellen Abend im Oktober 1786 bat Goethe darum, den berühmten Gesang der Schiffer zu hören. Damals war er schon halb vergessen und musste bestellt werden. Er saß in einer Gondel, einen Sänger vor sich und einen hinter sich, und sie sangen abwechselnd Verse der Dichter Tasso und Ariosto. Dann gingen sie auf der Giudecca an Land und stellten sich weit voneinander auf, und Goethe ging langsam zwischen ihnen umher. „Als Stimme aus der Ferne klingt es höchst seltsam“, schrieb er, „wie eine Klage ohne Trauer.“ Sein alter Schiffer erzählte ihm, dass die Frauen von Malamocco und Pellestrina abends am Strand dieselben Verse sangen, bis ihre Männer, die draußen auf dem Meer fischten, ihnen von weit her antworteten.
Ein kurzes Stück nördlich von Venedig, etwa anderthalb Kilometer über das Wasser, liegt die Insel Murano. Wie Venedig selbst ist sie eine Gruppe kleiner Inseln, durch Brücken verbunden, mit einem eigenen Canal Grande. Von den Kais Venedigs aus betrachtet, erschien sie Goethe wie ein kleines Venedig. Murano behielt eigene Räte, unter einem Statthalter, den die Stadt schickte, dem Podestà, und es hatte sogar das Recht, Münzen zu prägen. Sein Wappen zeigte einen Hahn mit einer Schlange im Schnabel.
Die Glasmacherei in der Lagune ist schon im elften Jahrhundert belegt. 1275 stellte die Regierung das Handwerk unter ihren Schutz, mit einem eigenen Gesetzbuch. Die Rohstoffe des Glases durften nicht ins Ausland verschickt werden, und jedes Jahr wurden zwei Messen abgehalten. Dann, gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts, die Überlieferung nennt 1291, wurden die Öfen aus Venedig nach Murano verlegt, aus Angst vor Feuer in einer Stadt, die großenteils aus Holz gebaut war.
Die Glasmacher hatten besondere Vorrechte. Ihre Töchter konnten in die reichsten Adelsfamilien einheiraten, und die Männer durften, so hieß es, Schwerter tragen. Strenge Gesetze versuchten, die Glasmacher und ihre Geheimnisse daheim zu halten, doch viele gingen trotzdem fort. Im vierzehnten Jahrhundert gab es auf der Insel mindestens zwölf Glashütten, die Dinge des Alltags herstellten, etwa langhalsige Flaschen mit runden Bäuchen, wie Zwiebeln.
Ein englischer Tagebuchschreiber von 1645 setzte über nach „Murano, berühmt für die besten Gläser der Welt“. Er sah bei den Öfen zu und erfuhr, wie weiße Feuersteine aus Pavia zerstoßen und sehr fein gesiebt und mit weißem Sand und der Asche eines Seetangs aus Syrien vermischt wurden. Er schickte eine Sammlung von Gläsern per Schiff nach England, und er kostete die kleinen Austern von Murano.
Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts schuf ein Glasmacher namens Angelo Barovier das Cristallo, ein Glas so klar wie Bergkristall, neu für seine Zeit. Mit Email und Gold bemalt, wurde es von großen Familien bestellt, von Dogen und von Päpsten. Der berühmte blaue Barovier-Pokal, um 1470 gefertigt, wird noch heute auf der Insel aufbewahrt.
Murano machte auch Perlen, die winzigen einfarbigen Conteria und die geschichteten Rosetta-Perlen, die Marietta Barovier, Angelos Tochter, erfunden haben soll. Jahrhundertelang saßen Frauen, die man Impiraresse nannte, draußen in den kleinen Gassen, ein Kästchen mit winzigen Perlen auf den Knien, und fädelten sie eine nach der anderen auf. Später kamen Spiegel, berühmt im ganzen achtzehnten Jahrhundert, und große Kronleuchter, behängt mit Blumen und Girlanden aus Glas.
Als Heinrich der Dritte von Frankreich 1574 nach Venedig kam, trug das Boot der Glasmacher im Festzug ein Seeungeheuer mit einem Ofen darin. Während Flammen aus dem Maul des Ungeheuers schlugen, fertigten Handwerker darin wunderschöne Kristallvasen. Es gab auch Geschichten von Kelchen, so fein, dass sie zerbrechen würden, wenn man Gift hineingoss, doch ein amerikanischer Besucher meinte, diese reizende Vorstellung müsse eine Fabel sein.
Nach dem Ende der Republik kamen harte Zeiten. In den 1860er-Jahren wurden die berühmten Spiegel nicht mehr hergestellt, auch wenn Perlen weiterhin in alle Winkel der Welt verschickt wurden. Doch ab etwa 1850 begannen Hersteller wie Antonio Salviati und Firmen wie die Fratelli Toso, die alten Fertigkeiten zurückzubringen, und brachten das Glas von Murano auf die großen Ausstellungen. 1861 gründeten der Bürgermeister Antonio Colleoni und der Abt Vincenzo Zanetti ein Glasmuseum, und im Jahr darauf kam eine Schule hinzu, in der Glasarbeiter zeichnen lernten.
Auf der Insel steht die Kirche Santi Maria e Donato, eine der ältesten der Lagune, im zwölften Jahrhundert neu gebaut. Ihr Boden aus Marmormosaik, im zwölften Jahrhundert verlegt, bedeckt mehr als fünfhundert Quadratmeter mit Porphyr und farbigem Stein, mit Pfauen, einem Adler und Greifen und zwei Hähnen, die einen Fuchs tragen. Und hinter dem Altar hängen vier große Knochen, jeder mehr als einen Meter lang. Einer alten Legende nach gehörten sie einem Drachen, den der heilige Donatus selbst erschlug.
Weiter draußen in der Lagune, etwa sieben Kilometer nordöstlich von Venedig, liegt die Fischerinsel Burano, nahe dem stillen Torcello. Sie entstand aus fünf kleinen Inseln. Ein Kanal wurde zugeschüttet, um ihre Hauptstraße und ihren Platz anzulegen, benannt nach dem Komponisten Baldassare Galuppi, der 1706 auf Burano geboren wurde. 1901 lebten hier etwa achttausend Menschen, in eng aneinandergedrängten Häusern.
Die Häuser von Burano sind in kräftigen, leuchtenden Farben gestrichen. Der Überlieferung nach strichen die Fischer sie so an, dass sie ihr eigenes Haus vom Wasser aus erkennen konnten, selbst im Winternebel. Über den Dächern erhebt sich der Glockenturm von San Martino, im achtzehnten Jahrhundert erbaut. Er ist etwa dreiundfünfzig Meter hoch und neigt sich deutlich zur Seite.
Niemand weiß genau, wie die Spitzen von Burano entstanden. Manche sagen, sie kämen vom Knüpfen und Flicken der Fischernetze, doch das ist eine Legende. Sicher wissen wir, dass die Nadelspitze in Venedig blühte. Schon 1476 verbot der Senat punto in aria an Vorhängen und Bettwäsche. Im sechzehnten Jahrhundert wurden Hunderte Bücher mit Spitzenmustern gedruckt, viele davon in Venedig, für Adelsdamen, die zu Hause arbeiteten.
Punto in aria bedeutet Stich in der Luft. Das Motiv wurde auf ein Muster gezeichnet und auf einer kleinen Holzwalze gehalten, dem Murello, die auf einem runden Kissen lag. Stich für Stich baute die Spitzenmacherin die Blumen auf und dann den Grund zwischen ihnen, kleine Stege bei der venezianischen Spitze oder ein feines Netz bei der Burano-Spitze. Die Fäden waren aus feinem Leinen und manchmal aus Seide, Gold und Silber. Das siebzehnte Jahrhundert war das Jahrhundert der Spitze, und venezianische Spitze war so teuer, dass Frankreich eigene Werkstätten gründete, mit Spitzenmacherinnen aus Venedig.
Die Burano-Spitze hatte ein quadratisches Netz aus ungleichmäßigem Faden, das ihr ein weiches, wolkiges Aussehen gab. Im achtzehnten Jahrhundert fertigten sie viele Mädchen auf der Insel und in ihren Klöstern. Um 1845 erzählte eine alte Nonne von neunzig Jahren einem Besucher, wie sie in ihrer Jugend mit ihren Gefährtinnen diese Spitze gemacht hatte, lange im Voraus für große Hochzeiten bestellt. Doch bis 1866 war das Handwerk ausgestorben, und die Inselbewohner wussten nicht mehr, warum eine Straße Contrada del Pizzo hieß, einst die Straße der Spitzenmacherinnen.
Dann kam der Winter 1872. Die Lagune fror zu, und die Fischer konnten nicht hinausfahren. In ganz Italien wurde Geld gesammelt, vom Papst und vom König, um ihnen zu helfen. Ein erster Plan, die Leute mit dem Knüpfen von Fischernetzen zu beschäftigen, scheiterte. Und so gründete 1872 die Gräfin Andriana Marcello eine Spitzenschule, ermutigt vom Politiker Paolo Fambri und unter der Schirmherrschaft von Königin Margherita.
Man fand eine ältere Spitzenmacherin aus Burano, die sich noch an die alten Stiche erinnerte. Eine Lehrerin lernte bei ihr und begann, acht Schülerinnen zu unterrichten, die ein wenig Geld fürs Kommen erhielten. Bis 1875 waren es mehr als hundert. 1897 gab es vierhundert Arbeiterinnen, und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts rund fünfhundert Mädchen. Sie begannen mit zwölf Jahren und arbeiteten im Winter sechs Stunden am Tag, im Sommer sieben.
Stell sie dir bei der Arbeit vor, über die runden Kissen gebeugt, während ihre Nadeln das Licht vom Kanal einfangen. Manche sparten ihren Lohn, um ein kleines Haus zu kaufen, das sie bei der Heirat als Mitgift einbrachten. Ein Buch über Spitzen von 1902 sagt schlicht: „Fast alle jungen Männer von Burano suchen ihre Frauen unter den Spitzenmacherinnen.“
Die Schule lernte, jede Art alter Spitze nachzuarbeiten. Die Königin erlaubte ihr, zwei große Spitzen aus den Kirchen zu kopieren, und sie fertigte den Brautschleier von Königin Elena. Unterdessen belebte in Pellestrina, einem kleinen Fischerort auf der langen Sandbank südlich des Lido, Michelangelo Jesurum das Klöppeln von Spitzen neu. Und auf Burano ist das alte Schulgebäude heute ein Spitzenmuseum, wo man Spitzenmacherinnen noch bei der Arbeit zusehen kann, Stich für geduldigen Stich.
Venedig war eine Stadt der Feste und des Lichts. Doch es kannte auch harte Zeiten, wenn Krankheit über die Inseln kam. 1348 erreichte die große Seuche, die man den Schwarzen Tod nannte, die Lagune. Und in den folgenden Jahrhunderten kehrte die Pest immer wieder zurück.
Auf einer kleinen Insel der Lagune hatten Augustiner-Eremiten einst eine Kirche namens Santa Maria di Nazareth gebaut, mit einer Herberge für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land. 1423, in einer Zeit der Pest, machte der Senat die Insel zu einem Spital, wo die Kranken abseits der Stadt gepflegt werden konnten. Mit der Zeit nannte man solche Orte Lazzaretti, und der Name, so heißt es, ging aus Nazareth hervor.
1468 wählte die Republik eine zweite Insel, einst ein ummauerter Weinberg, umgeben von kleinen Salinen. Das war das Lazzaretto Nuovo, das neue Lazarett. Es war nicht für die Kranken gedacht, sondern für jene, die der Krankheit unterwegs begegnet sein könnten: Reisende, die Besatzungen der Schiffe und die Waren, die sie mitführten. In einem großen Lagerhaus dort, etwa hundert Meter lang, lüfteten und reinigten Träger, die Bastazi hießen, die Ladungen. Sie wuschen sie in kaltem, heißem und salzigem Wasser, räucherten sie und tränkten sie in Essig. Und an den Wänden des Lagerhauses hinterließen sie ihre Inschriften und Zeichnungen.
Das Warten dauerte etwa vierzig Tage. Auf Venezianisch hieß eine Zeit von vierzig Tagen quarantina, und daher kommt unser Wort Quarantäne.
Als die Seuche 1576 wiederkam, legte der Senat ein feierliches Gelübde ab, Christus dem Erlöser eine Kirche zu bauen. Im Mai 1577 wurde auf der Insel Giudecca der Grundstein gelegt, für eine Kirche nach Plänen von Andrea Palladio. Sie heißt Redentore, die Kirche des Erlösers, und auf ihrer Kuppel steht eine Statue des Erlösers selbst. Im Juli desselben Jahres wurde eine Brücke aus Booten über das Wasser gelegt, und die erste Prozession zog hinüber, um zu danken.
Seitdem wird jedes Jahr eine Brücke gelegt. Am dritten Sonntag im Juli feiert Venedig noch immer das Fest des Redentore. Am Samstagabend sammeln sich Boote, geschmückt mit Blumen, grünen Zweigen und Laternen, auf dem Giudecca-Kanal. Familien essen an Bord zu Abend oder an langen Tischen an den Kais, und ein Feuerwerk erhellt das Wasser. Ein Amerikaner, der in den 1860er-Jahren in Venedig lebte, schrieb von früheren Zeiten, als die Venezianer die ganze Nacht feierten und „im Morgengrauen in ihren Flotten laternenreicher Boote hinausfuhren, die Lagune mit Feenlicht bedeckend, um den Sonnenaufgang über dem Adriatischen Meer zu betrachten“.
1630 kehrte die Pest noch einmal zurück, und in jenem Herbst gelobte der Senat der Jungfrau Maria eine große Kirche. Aus elf Entwürfen wählte er den eines jungen venezianischen Architekten, Baldassare Longhena. Als die Seuche im November 1631 endlich endete, konnte die Stadt nicht auf den Stein warten. Sofort wurde eine Kirche aus Holz errichtet. Und an einem wolkenlosen Tag zogen der Doge, der Senat und das Volk in einer Prozession vom Markusdom aus und gingen auf einer Brücke aus Booten über den Canal Grande zu ihr.
Die Kirche aus Stein wurde ein halbes Jahrhundert später geweiht, in den 1680er-Jahren. Es ist Santa Maria della Salute, die heilige Maria der Gesundheit. Sie steht Palladios San Giorgio gegenüber, jenseits des Wassers, achteckig unter einer großen Kuppel, auf einem Wald aus Holzpfählen, mit breiten Stufen, die aus dem Wasser steigen. Auf ihrem Hochaltar vertreibt eine Madonna aus Marmor die Gestalt der Pest.
Jedes Jahr am einundzwanzigsten November wird eine Brücke aus Booten über den Canal Grande gelegt, und den ganzen Tag gehen Menschen mit Kerzen darüber. Drinnen werden die Kerzen nach vorn zum Altar gereicht, eine nach der anderen, bis, wie ein altes Buch über die Lagune sagt, „der ganze Raum am Altar wie eine einzige feste Wand aus getriebenem Gold wirkt, während die Flammen im Luftzug wanken und flackern“. Draußen gibt es Stände mit Süßigkeiten und Zuckermandeln. Und in vielen Häusern kocht man für diesen Tag ein Gericht aus gesalzenem, geräuchertem Hammelfleisch, die Castradina.
Die ganze Zeit über füllte Venedig seine Kirchen, seine Paläste und seine Säle mit Gemälden. Und im fünfzehnten Jahrhundert ragte eine Malerfamilie über alle anderen hinaus, die Bellini.
Es gab zwei Brüder, Gentile und Giovanni. Gentile, der Ältere, wurde vom Dogen nach Konstantinopel geschickt, und dort malte er ein Bildnis des Sultans. Zurück in Venedig malte er für eine der Bruderschaften der Stadt, die Scuole, die Wunder des Heiligen Kreuzes. Giovanni, der Jüngere, malte stillere Bilder, Madonnen und Heilige voller Zärtlichkeit. Als der Maler Albrecht Dürer nach Venedig kam, schrieb er, Giovanni Bellini sei zwar sehr alt, aber noch immer der Beste in seiner Kunst.
Vittore Carpaccio wuchs unter dem Einfluss der Bellini auf, und er erzählte gern Geschichten. Für die Bruderschaft der heiligen Ursula malte er eine ganze Reihe von Bildern ihrer Geschichte, voller Kleider und Bauten seiner eigenen Zeit. Vor einem davon sah der Schriftsteller Henry James „die heilige Ursula schlafend in ihrem kleinen weißen Bett, in ihrem hohen, sauberen Zimmer, wo der Engel sie im Morgengrauen besucht“.
Dann kam Giorgione aus der Stadt Castelfranco, auf Venezianisch Zorzi genannt. Man erinnerte sich an ihn als großen Liebhaber von Musik und Gesang, und er starb jung, 1510. Nur sehr wenige Gemälde stammen sicher von ihm. Eines ist ein Altarbild in Castelfranco. Ein anderes ist das Bild namens Das Gewitter, das ein alter Reiseführer für seine poetische Anmut und romantische Schönheit lobte. Mit Giorgione, so hieß es, wurde eine neue, romantische Art der Malerei geboren, nicht nur für die Kirche gemacht, sondern für die Dichtung.
Tizian wurde in den Bergen des Cadore geboren, und er soll sein Handwerk in der Werkstatt von Gentile Bellini gelernt haben. 1518 wurde seine große Himmelfahrt Mariens über dem Hochaltar der Frari-Kirche enthüllt. Sie ist fast sieben Meter hoch. Unten stehen die Apostel. Über ihnen steigt die Jungfrau, in Karmesinrot gekleidet, in einem goldenen Licht vor einem blauen Himmel empor. Tizian malte danach noch mehr als ein halbes Jahrhundert weiter. Als der Schriftsteller Vasari ihn im hohen Alter besuchte, fand er ihn noch mit dem Pinsel in der Hand. Er starb 1576 als sehr alter Mann und wurde in der Frari-Kirche begraben, nahe einem seiner eigenen Gemälde.
Tintoretto war schnell und kühn. 1564 schrieb die Bruderschaft von San Rocco, benannt nach dem heiligen Rochus, dem Heiligen der Pest, einen Wettbewerb für ein Deckengemälde in einem ihrer Säle aus. Die anderen Maler bereiteten Zeichnungen vor. Tintoretto malte in aller Stille die ganze Leinwand und befestigte sie an ihrem Platz, und als die Meister protestierten, bot er sie ihnen als Geschenk an. Und mehr als zwanzig Jahre lang malte er weiter für sie, rund sechzig große Leinwände.
Paolo Veronese wurde um 1528 in Verona geboren, und er liebte Pracht und Festmahle. Für die Ordensbrüder von Santi Giovanni e Paolo malte er ein riesiges Bankett als Letztes Abendmahl, voller Gäste und Diener, mit einem Hund und einem Narren mit einem Papagei auf dem Handgelenk. An einem Sommertag im Jahr 1573 wurde er vor die Inquisition geladen, um sie zu erklären. Gefragt, was sein Beruf sei, antwortete er schlicht, er erfinde und zeichne Figuren. Man befahl ihm, das Bild binnen drei Monaten zu verbessern. Stattdessen gab er ihm einen neuen Namen, Das Gastmahl im Hause Levi, und änderte sonst nur sehr wenig.
Warum waren ihre Farben so leuchtend? Goethe, der 1786 in vollem Sonnenschein über die Lagune glitt, glaubte es zu wissen. Aufgewachsen zwischen so viel Licht und Wasser, schrieb er, „muss der venezianische Künstler alle Dinge in einem klareren und helleren Licht sehen als andere Menschen.“
Und im achtzehnten Jahrhundert malten Antonio Canal, genannt Canaletto, und Francesco Guardi die Ansichten der Stadt und bewahrten uns getreu das Venedig ihrer Zeit. Auf Guardis Bildern sehen die Gondeln schon genauso aus wie die Gondeln späterer Zeiten.
Im Venedig des achtzehnten Jahrhunderts glaubten manche Besucher, die schönste Musik der Stadt komme nicht aus den Opernhäusern, sondern aus vier großen wohltätigen Häusern, den Ospedali: der Pietà, den Mendicanti, den Incurabili und dem Ospedaletto. Dort wuchsen Mädchen, die Waisen waren oder deren Eltern sie nicht großziehen konnten, auf Kosten des Staates auf, und sie wurden vor allem in Musik ausgebildet.
Die Pietà war im vierzehnten Jahrhundert gegründet worden, um verwaiste und verlassene Mädchen zu versorgen. In ihrer Mauer gab es eine kleine Öffnung namens Scaffetta, gerade groß genug für ein Baby. Eine Mutter, die ihr Kind nicht behalten konnte, durfte es dort lassen, damit es aufgenommen und versorgt wurde.
Die begabtesten Mädchen kamen in den Chor und ins Orchester. Man nannte sie die figlie di coro, die Töchter des Chores, und an der Pietà konnten es bis zu sechzig sein. Sie sangen und spielten auf den Emporen der Kirche, hinter eisernen Gittern, sodass man sie hören, aber nicht sehen konnte. Die meisten blieben ihr Leben lang. Wer ging, bekam von der Republik eine kleine Mitgift, um heiraten oder in ein Kloster eintreten zu können.
Im Frühjahr 1703 wurde ein junger Venezianer namens Antonio Vivaldi, geboren 1678, zum Priester geweiht. Sein Vater war Barbier und zugleich ein guter Geiger im Orchester des Markusdoms, genannt Rossi, wegen seiner roten Haare. Antonio hatte dieselben roten Haare, und so nannten ihn die Leute il prete rosso, den roten Priester. Im September desselben Jahres stellte ihn die Pietà als Meister der Violine ein.
Er blieb dort, mit Unterbrechungen, mehr als dreißig Jahre, zuerst als Geigenlehrer und später als Meister der Konzerte. Er schrieb mehr als siebenhundertsiebzig Werke. Im Jahr 1725 wurde in Amsterdam ein Band seiner Konzerte gedruckt, und ganz am Anfang standen Die vier Jahreszeiten.
Im Jahr 1739 schrieb ein französischer Reisender, Charles de Brosses, seinen Freunden über die Musik dieser Häuser. Am häufigsten ging er in die Pietà, die er für die beste von allen hielt. Die Mädchen, sagte er, spielten Geige und Flöte, Orgel, Oboe, Cello und Fagott. Und er fügte hinzu, mit Worten, die übersetzt etwa so lauten: „Kein Instrument ist so groß, dass es ihnen Angst machen könnte.“ Er sah ein junges Mädchen in weißem Gewand, mit einem Zweig Granatapfelblüten über dem Ohr, das Orchester leiten und den Takt schlagen, mit aller Anmut, die man sich vorstellen kann. Er lobte eine Geigerin der Pietà namens Chiaretta und eine berühmte Geigerin namens Anna Maria, die noch besser spielte.
Er lernte auch Vivaldi kennen. Der alte Komponist, schrieb de Brosses, freundete sich mit ihm an, um ihm einige Konzerte zu einem sehr hohen Preis zu verkaufen. Er komponierte mit einer Art Raserei und behauptete, er könne ein Konzert schneller schreiben, als ein Kopist es abschreiben könne. Und doch, in einer Stadt, in der alles nach der Mode ging, war der Franzose überrascht, dass Vivaldi nicht so bewundert wurde, wie er es verdiente.
Einige Jahre später kam Jean-Jacques Rousseau nach Venedig, im Dienst des französischen Botschafters. Jeden Sonntag zur Vesper, schrieb er, sangen die Mädchen auf den Emporen, keine von ihnen älter als zwanzig Jahre, und sogar die Sänger der Oper kamen, um von ihnen zu lernen. Er liebte das alles, doch eines störte ihn. „Was mich ärgerte, war das eiserne Gitter, das nichts als die Klänge entweichen ließ und mir die Engel verbarg, deren sie würdig waren.“
Vivaldi starb fern der Heimat, in Wien, im Sommer 1741. Doch die Musik der Emporen ging weiter. Im Jahr 1786 fand Goethe seinen Weg durch das Labyrinth der kleinen Gassen zur Kirche der Mendicanti und hörte die Mädchen hinter dem Gitter ein Oratorium singen, mit einer Altistin in der Rolle von König Saul, mit einer Stimme, wie er sie sich nie vorgestellt hatte.
Jahrhundertelang war Venedig berühmt für seinen Karneval. Eine Urkunde von 1094 wird oft als seine erste Erwähnung genannt, und schon 1296 war der letzte Tag vor der Fastenzeit ein öffentlicher Feiertag. In der frühen Zeit, so heißt es, warfen junge Männer mit Rosenwasser gefüllte Eierschalen nach den jungen Frauen, um die sie warben.
Als John Evelyn zur Fastnachtszeit kam, im Jahr 1646, schien es ihm, als sei die ganze Welt zum Karneval nach Venedig gekommen. Er sah „Leute jeden Standes, verkleidet in antiken Gewändern, mit extravaganter Musik und tausend Kapriolen“, die von Haus zu Haus zogen, und jede Tür stand offen. Es gab Spieltische und Opern, Komödianten und an jeder Ecke die kleinen Bühnen der Marktschreier. Man warf mit süßem Wasser gefüllte Eier, auch wenn das Wasser, wie er bemerkte, manchmal nicht so süß war.
Im achtzehnten Jahrhundert konnte die Saison vom frühen Herbst bis hin zur Fastenzeit reichen. Ein französischer Besucher schrieb, dass monatelang alle maskiert umhergingen, auch die Priester, sogar der Gesandte des Papstes selbst.
Die berühmteste Maske war die Bauta, aus Stoff und bemaltem Gips, getragen mit einem schwarzen Umhang, dem Tabarro, und einem Dreispitz. Venezianer vieler Stände trugen sie. Frauen trugen stattdessen manchmal die Moretta, ein kleines Oval aus schwarzem Samt, gehalten von einem Knopf, den man mit den Zähnen festhielt, sodass die Trägerin kein Wort sagen konnte. Hinter einer Maske konnte eine Frau allein ausgehen, und ein Adliger und ein Krämer sahen fast gleich aus, auch wenn Diener, wie es scheint, ihre Herren noch erkennen konnten.
Im Jahr 1638 wurde ein Flügel eines Palastes nahe der Kirche San Moisè als Ridotto eröffnet, ein Haus für das Glücksspiel, vom Staat für die Zeit des Karnevals erlaubt. Die Spieler mussten eine Maske und einen Dreispitz tragen. Francesco Guardi und Pietro Longhi malten es beide. Im Jahr 1774 stimmte der Große Rat dafür, es zu schließen.
Der Karneval war auch die Zeit der Theater. Carlo Goldoni wurde 1707 in Venedig geboren, in einem Haus nahe der Kirche San Tomà, und als kleiner Junge ließ er Puppen tanzen. Als Erwachsener schrieb er Komödien über das echte, alltägliche Leben. Einmal versprach er, sechzehn Komödien in einem einzigen Jahr zu schreiben, und er hielt Wort. 1761 wurde er nach Paris gerufen, und vor seiner Abreise schenkte er der Stadt ein Abschiedsstück, Eine der letzten Nächte des Karnevals. Als es zu Ende war, hallte das Theater von Beifall und guten Wünschen wider, und Goldoni weinte wie ein Kind.
Ein Venezianer jener Jahre, Giacomo Casanova, erzählte später die Geschichte seiner eigenen Flucht. Im Sommer 1755 war er verhaftet und in die Bleikammern gesperrt worden, die Zellen unter dem Bleidach des Dogenpalastes. Mehr als ein Jahr später, in der Nacht des letzten Oktobertages 1756, kletterten er und ein Mönch namens Balbi durch eine Öffnung hinaus aufs Dach. Der Mond war untergegangen. Als sie rittlings auf dem First saßen, die Kuppeln des Markusdoms vor sich, schlug die Uhr Mitternacht, und Casanova dachte daran, dass Allerheiligen begonnen hatte.
Die beiden fanden einen Weg hinunter durch den Palast und gingen über die Gigantentreppe hinaus, schnell, aber bemüht, nicht wie Flüchtige auszusehen. Am Wasser stieg Casanova in die erste Gondel, die er sah, und verlangte, nach Fusina zu fahren. Im ersten Licht von Allerheiligen waren sie fort, hinaus über die Lagune. Jahre später schrieb er: „Es war ein herrlicher Morgen, die Luft war klar und glühte in den ersten Strahlen der Sonne, und meine zwei jungen Ruderer ruderten leicht und gut.“ Und als er an die Nacht hinter sich dachte, brach er in Tränen aus.
Nach dem Fall der Republik schränkten die neuen Herrscher Masken und Versammlungen ein, und der alte Karneval verblasste langsam. Lange danach, im Jahr 1979, wurde er wiederbelebt, und die Masken kehrten zurück.
In ihrem letzten Jahrhundert spielte die alte Republik keine große Rolle mehr im Weltgeschehen, und das Leben in Venedig war leicht und angenehm. Adlige mit Perücken und karmesinroten Mänteln flanierten auf dem Liston, am Fuß des Markusturms auf dem großen Platz. Es gab Cafés und Casinos, Premieren im Theater und Kantaten, gesungen von den Mädchen der Ospedali. Und spät in der Nacht, oder besser am frühen Morgen, fuhren die Venezianer über die Lagune zum Lido, um im Morgengrauen zu Abend zu essen und die aufgehende Sonne zu begrüßen.
Im Jahr 1786 sah Goethe zu, wie der alte Doge jener Tage zu einer Festtagsmesse an Land ging. Er trug eine goldene Kappe, ein langes goldenes Gewand und einen Hermelinmantel, und er sah aus, fand Goethe, wie der Großvater des ganzen Volkes, gütig und freundlich. Im selben Herbst lagen Galeeren in der Lagune und warteten auf guten Wind, um sich der Flotte von Angelo Emo anzuschließen, der gegen die algerischen Piraten Krieg führte. Ein alter Schriftsteller nannte ihn den letzten der großen Venezianer.
Doch jenseits der Alpen regten sich große Veränderungen. Im Jahr 1796 zog Napoleon Bonaparte mit einem französischen Heer nach Italien hinab, und die österreichischen Heere standen ihm gegenüber. Die venezianischen Gebiete auf dem Festland waren kaum geschützt, und sie wurden zu einem Feld, auf dem beide Heere kamen und gingen. Im Frühjahr 1797 willigte Bonaparte heimlich ein, das venezianische Festland Österreich zu überlassen. Und er machte klar, dass die alte Regierung Venedigs enden musste.
Doge war damals Lodovico Manin, der hundertzwanzigste Doge von Venedig. Am zwölften Mai 1797 versammelte sich der Große Rat in seinem Saal. Während einer der Ratsherren sprach, hörte man Schüsse, und die Mitglieder, die fürchteten, die Franzosen seien schon da, verlangten die Abstimmung. Der Große Rat stimmte mit großer Mehrheit der Anwesenden dafür, die Republik zu beenden. Als der Doge die Dogenmütze ablegte, soll er zu seinem Diener gesagt haben: „Nimm sie weg, wir werden sie nicht mehr brauchen.“ Ein Historiker rechnete später aus, dass es elfhundert Jahre her war, seit die Venezianer ihren ersten Dogen gewählt hatten.
Wenige Tage später rückten französische Soldaten in die Stadt ein, und eine neue, vorläufige Regierung wurde eingesetzt. Den Sommer über wurden Gemälde, Statuen und alte Handschriften weggenommen und nach Paris verschifft. Im Oktober übergab Bonaparte Venedig durch den Vertrag von Campo Formio an Österreich. Und im Januar 1798 nahmen die ersten österreichischen Soldaten die Stadt in Besitz.
Sogar die vier Bronzepferde des Markusdoms wurden im Dezember 1797 von der Fassade der Basilika geholt und nach Paris gebracht, wo man sie zuerst an den Tuilerien und dann auf einem Triumphbogen aufstellte. Im Jahr 1815, nach Napoleons Sturz, kehrten sie heim und wurden mit großer Feierlichkeit wieder an ihren Platz gehoben.
Der Bucintoro, die goldene Barke der Dogen, nahm ein traurigeres Ende. Der letzte war in den 1720er-Jahren im Arsenal gebaut worden, über und über geschnitzt vom Bildhauer Antonio Corradini, und vergoldet. Jedes Jahr am Himmelfahrtstag hatte er den Dogen zur Vermählung mit dem Meer aufs Wasser getragen, bewegt von etwa vierzig großen Rudern, mit je vier Männern. Im Jahr 1798 brachen französische Soldaten seine Schnitzereien ab, brachten sie auf die Insel San Giorgio Maggiore und verbrannten sie, um das Gold zu gewinnen. Der nackte Rumpf hielt sich noch einige Jahre, als Geschützbarke und dann als Gefängnisschiff. Ein paar geschnitzte Stücke sind erhalten, im Museo Correr. Wie ein Historiker Venedigs ganz schlicht schrieb: „Der goldene Bucintoro ist Staub.“
So ging, still und leise, nach mehr als tausend Jahren die Republik des heiligen Markus zu Ende.
In den folgenden Jahren ging Venedig von Österreich an Frankreich und dann wieder an Österreich. Ab 1814 blieb es österreichisch, ein halbes Jahrhundert lang. Langsam begann sich der alte Hafen zu regen. Die Einfahrt in die Lagune bei Malamocco wurde vertieft und für größere Schiffe offen gehalten, und am äußersten Ende des Giudecca-Kanals entstand ein neues Hafenbecken.
Dann kam die Eisenbahn. Kaiser Ferdinand der Erste wollte eine Strecke, die Venedig mit Mailand verband, und im Jahr 1841 begann der Bau einer Brücke über die Lagune. Sie wurde im Januar 1846 eröffnet. Sie führte etwa dreieinhalb Kilometer über das seichte Wasser, auf mehr als zweihundert Bögen, und zum ersten Mal konnten Züge bis nach Venedig hineinfahren. Eine Straßenbrücke daneben kam erst viel später, im Jahr 1933.
Nun konnten Reisende mit dem Zug ankommen. Im Jahr 1861 kam William Dean Howells auf diesem Weg, bei Nacht, nach einer langen, kalten Reise aus Wien. Aus dem Lichterglanz und Trubel des Bahnhofs stieg er in eine Gondel und glitt den dunklen, stillen Kanal hinab. „Zuerst konnte ich nichts fühlen als diese schöne Stille, nur unterbrochen vom sternversilberten Eintauchen der Ruder.“ Dann erhoben sich zu beiden Seiten graue Paläste aus dem dunklen Wasser, hier und da mit einer Lampe, die lange karmesinrote Streifen über den Kanal warf.
Doch die Venezianer hatten ihre Republik nicht vergessen. Anfang 1848 wurde ein Anwalt namens Daniele Manin verhaftet, der 1804 in Venedig geboren war. Im März befreite ihn das Volk. Und am zweiundzwanzigsten März marschierten seine Anhänger aus dem Arsenal, und eine neue Republik San Marco wurde ausgerufen, mit dem alten Ruf Viva San Marco, es lebe der heilige Markus. In jenem Sommer stimmten die Venezianer für die Vereinigung mit dem Königreich Sardinien, doch die Union hielt nur etwa einen Monat.
Auch die neue Republik hielt nicht lange. Im Frühjahr und Sommer 1849 belagerten die Österreicher die Stadt. Die Nahrung wurde knapp, und im August breitete sich eine Krankheit in den Straßen aus. Ende August 1849 endete die Belagerung, und Venedig ergab sich. Manin fuhr zu Schiff ins Exil und lebte still in Paris, wo er Italienisch unterrichtete. Er sah Venedig nie wieder. Doch viele Jahre später, im Jahr 1868, wurden seine sterblichen Überreste heimgebracht, und sie ruhen neben dem Markusdom. Und als die Krankheit jenes Sommers vorüber war, schenkte die Stadt der Kirche der Salute zum Dank eine große silberne Lampe.
Wieder unter österreichischer Herrschaft hielten die Venezianer ihre Hoffnung auf kleine, stille Weise wach. Howells, der Anfang der 1860er-Jahre in der Stadt lebte, schrieb, dass am Jahrestag der Republik von 1848 rote, weiße und grüne Lichter gezeigt wurden. Und dreimal in der Woche, wenn die österreichische Militärkapelle auf dem Markusplatz ihre schöne Musik spielte, gingen viele Venezianer fort zum langen Kai am Wasser oder hörten nur unter den Arkaden zu. Selbst die alten Feste wirkten stiller. Die Brücken aus Booten zum Redentore und zur Salute wurden noch gelegt, schrieb Howells, aber die Menge war spärlich.
Endlich, im Jahr 1866, nachdem Österreich in einem Krieg gegen Preußen besiegt worden war, wurde Venedig abgetreten. In der Nacht des achtzehnten Oktober begannen die österreichischen Soldaten abzuziehen, und am nächsten Morgen wurde die Stadt übergeben. Wenige Tage später stimmte das Volk fast einstimmig für die Vereinigung mit dem Königreich Italien. Und am siebten November 1866 kam König Viktor Emanuel der Zweite nach Venedig.
Die lange Bogenreihe über die Lagune führte nun nicht zum Kaiserreich, sondern nach Italien.
Venedig hatte schon immer Reisende angezogen. Thomas Coryat hatte Anfang des siebzehnten Jahrhunderts seine große steinerne Brücke bewundert, John Evelyn seinen Karneval gesehen, und Goethe hatte seinen Gondolieri gelauscht, die im Mondlicht sangen. Und im neunzehnten Jahrhundert kamen weiter Reisende, um zu schreiben, zu malen und einfach zu schauen.
Der Dichter Lord Byron kam 1816 und verbrachte den Winter in Venedig. Auf der Insel San Lazzaro, im armenischen Kloster, lernte er bei Pater Pascal Aucher die armenische Sprache. Und er galoppierte gern zu Pferd am einsamen Strand des Lido entlang. Im Jahr 1818 veröffentlichte er den vierten Teil seines langen Gedichts Childe Harolds Pilgerfahrt, der mit diesen Zeilen beginnt: „Ich stand in Venedig, auf der Seufzerbrücke; ein Palast und ein Gefängnis zu beiden Seiten.“ Nach Byron blickte, wie Howells später bemerkte, die ganze empfindsame Welt voller Gefühl auf diese kleine überdachte Brücke. Im Jahr 1819 verließ Byron Venedig und ging nach Ravenna.
Anfang der 1850er-Jahre veröffentlichte John Ruskin Die Steine von Venedig, in drei Bänden. Er verfolgte den Bau des Dogenpalastes durch die Jahrhunderte, Schritt für Schritt, und lehrte seine Leser, die Bilder von Carpaccio und Tintoretto zu lieben. Henry James schrieb später, Ruskin habe Carpaccios Ruhm mit einer großzügigen Lampe beleuchtet.
Der Maler Turner kam zwischen 1819 und 1840 nach Venedig. In seinen Ölbildern und Aquarellen und in seinen Studien bei Mondlicht scheint die Stadt in Licht, Farbe und Spiegelungen auf dem Wasser zu zerfließen. Und im Jahr 1857 eröffnete Carlo Naya, geboren bei Vercelli, in Venedig ein Fotoatelier, das noch lange nach ihm weiterarbeitete.
William Dean Howells war Anfang der 1860er-Jahre amerikanischer Konsul in Venedig, und 1866 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel Venezianisches Leben. Er lernte, nach Art der Gondolieri zu rudern, und fuhr in seinem eigenen Boot durch die ganze Lagune. Zu seiner Zeit war der Lido noch eine lange, schmale Insel zwischen Lagune und Meer, mit einem Dorf an jedem Ende, ein paar Badehäusern, Forts und einigen armseligen kleinen Bäumen. Die Adria, schrieb er, war das blaueste Wasser, das er je gesehen hatte, übersät mit Fischersegeln in Purpur und Gelb.
Henry James sah den Lido zum ersten Mal im Jahr 1869. Damals gab es nur einen holprigen Weg quer über die Insel zum Strand und eine hölzerne Terrasse, die ins Meer hinausragte. Anfang der 1880er-Jahre gab es Gaslaternen, Pensionen und eine größere Badeanstalt. Doch der Strand, schrieb er, war noch immer einsam und schön. Und „die Rückkehr nach Venedig im Sonnenuntergang ist klassisch und unverzichtbar“.
Ebenfalls Anfang der 1880er-Jahre begannen die ersten kleinen Dampfboote, die Vaporetti, Fahrgäste den Canal Grande entlang zu befördern. Das allererste von ihnen war den ganzen Weg aus Frankreich gekommen, rund um die Küsten Italiens. James murrte über ihr Aufwühlen und darüber, dass sie immer das Wasser aufzuschäumen schienen, doch er gab zu, dass sie schnelles Reisen für jeden erreichbar gemacht hatten.
Im Jahr 1895 eröffnete die Stadt zur Feier der Silberhochzeit von König Umberto und Königin Margherita eine internationale Kunstausstellung in ihren Öffentlichen Gärten. Viele Tausend Menschen kamen, um sie zu sehen. Sie fand dann alle zwei Jahre wieder statt, und so wurde daraus die Biennale. Im Jahr 1907 baute Belgien in den Gärten den ersten der nationalen Pavillons.
Auch der Lido veränderte sich. Im Sommer 1900 eröffnete an seiner Strandpromenade das Grand Hotel des Bains, mit Strom, Telefonen, Aufzügen und eigenen Badezimmern. Im Jahr 1908 kam das Hotel Excelsior hinzu, in einem verspielten Stil erbaut, teils maurisch, teils venezianisch und byzantinisch. Und bis 1911 wurde der einsame Strand, an dem Byron galoppiert war, rasch zu einem mondänen Ort für Seebäder.
Viele Jahrhunderte lang hatte der große Markusturm aus Backstein auf dem Platz gestanden, fast hundert Meter hoch. Innen wand sich statt einer Treppe eine schräge Rampe zu den Glocken hinauf, so breit, dass John Evelyn meinte, man könne hinaufreiten.
Im Juli 1902 öffnete sich ein langer Riss in seiner Mauer. Am Morgen des vierzehnten Juli, kurz vor zehn Uhr, begannen in seinem Inneren Steine zu fallen, und die Menschen auf dem Platz, durch das Geräusch gewarnt, eilten davon. Dann sank der alte Turm fast an seiner Stelle in sich zusammen, zu einem großen Haufen Backstein, und eine Wolke aus rotem Staub hing über der Stadt. Die Basilika und der Dogenpalast blieben verschont. Den goldenen Engel von der Spitze fand man vor dem großen Portal des Markusdoms liegen. Das einzige Opfer, so erzählt man, war die Katze des Turmwärters.
Von den fünf Glocken überlebte nur die größte, die Marangona. Die Stadt beschloss sofort, den Turm wieder aufzubauen, wo er war und wie er war. Und langsam, auf breiteren Fundamenten, erhob er sich wieder.
Am Markustag, dem fünfundzwanzigsten April 1912, wurde der neue Glockenturm eingeweiht. Seine Glocken läuteten über den Platz, und mehr als zweitausend venezianische Kinder bekamen jedes ein Säckchen, mit einem Becher aus Muranoglas, zwei Brötchen, einer Süßigkeit und einer Orange. In Rom hörte der Papst, der einst Patriarch von Venedig gewesen war, die Glocken am Telefon. Und es hieß, er habe ausgerufen: „Ich höre die Marangona. Ich erkenne sie unter allen anderen.“
Im Jahr 1987 wurden Venedig und seine Lagune gemeinsam zum Weltkulturerbe erklärt, ein einzigartiges Kunstwerk, auf dem Wasser erbaut.
Und nun sinkt der Abend über die Lagune. Vor langer Zeit läutete die Marangona bei Sonnenuntergang, um den Arbeitstag zu beenden. Stell dir vor, wie sie jetzt läutet, langsam und tief, über die Dächer und das Wasser. Das Licht auf der Lagune wechselt von einer Farbe zur nächsten, wie die Töne eines Opals. Weit draußen ziehen die Segel der Fischerboote, orange und karmesinrot, am dunkler werdenden Rand des Meeres entlang.
An den Kais werden die Lampen entzündet, und ihr Licht fällt in langen, zitternden Streifen aufs Wasser. In den stillen Kanälen ruhen die Gondeln an ihren Liegeplätzen, und die alten Brunnen schlafen auf den leeren Plätzen. Draußen in der Lagune kommt die Flut sanft herein, über den Schlamm und die Salzwiesen, wie sie es zweimal am Tag getan hat, schon lange bevor es hier eine Stadt gab. Murano, Burano und Torcello sind jetzt nur noch ein paar kleine Lichter, fern, jenseits des dunklen Wassers.
Hoch über dem Platz fängt der goldene Engel auf dem Glockenturm das allerletzte Licht ein. Und dann ist auch er verschwunden.
Danke, dass du diesen langen Abend mit mir verbracht hast, zwischen den Inseln und den Kanälen Venedigs. Jetzt musst du dir nichts mehr merken und nichts mehr tun. Lass die Geschichte hinter dir davontreiben, wie das sanfte Kielwasser einer Gondel auf dem Wasser. Schlaf gut. Und gute Nacht.
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